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Bonkos’ Bild des Tages:

Ein Afrikaschnitzel. (Foto: Bonkos)

Ein Afrikaschnitzel. (Foto: Bonkos)

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(6) Der kleine Kalli – in der Servicewüste

Das hatte er sich deutlich einfacher vorgestellt, der kleine Kalli. Hieß es in der Werbung noch “Einfache Einrichtung. Auspacken, Anschließen, Loslegen!”, entpuppte sich die Installation der neuen Internetbox als wahre Herausforderung. Und es bestand erst recht keine Hoffnung auf schnelle Hilfe. Die kostenlose Service-Hotline ist natürlich nur aus dem Telefonnetz des Anbieters kostenlos, aber gerade dieses versucht Kalli ja krampfhaft zum Laufen zu bringen. Es hilft alles nichts, klein Kalli muss den abweichenden Mobilfunkpreis von max. 1,99€/Min in Kauf nehmen, was soviel bdeutet wie ganz sicher 1,99€/Min, und die Mitarbeite der Hotline um Rat fragen. Wenigstens ist die Wartemelodie aufregend und abwechslungsreich, sprich sie umfasst zwei Lieder und drei verschiedene Werbetexte. Doch auch nach drei Anrufversuchen und über einer Stunde Wartemusik, sitzt Kalli auf dem Boden der Tatsachen – aber vor allem vor der Telefondose in der kalten Diele. “Servicewüste Deutschland” möchte Kalli laut und wütend ausrufen, doch dann fällt ihm ein, dass der Begriff “Service” gar nicht deutsch ist – “Warteschlange” hingegen schon. Verbittert und enttäuscht macht sich Kalli auf den Weg zu seinen Nachbarn, in der Hoffnung ein W-Lan-Internet-Asyl zu bekommen. Bei den Netzwerken “Geh’ doch ZUHAUSE”, “Elvis lebt” oder “FischersFritzBox” müsste doch eine temporäre Mitbenutzung möglich sein. Und tatsächlich, Frau Schmelz von gegenüber hat Erbarmen und gibt dem kleinen Kalli das Passwort “1schmelzen” für das W-Lan-Netz “FritzBox 7071-013876”. “Wer hätte das gedacht, da schaufeln sich die Internetanbieter ihr Grab selbst”, denkt es sich Kalli und setzt einen Tweet ab: “DDR 2.0 – #Internetkommunismus im Selbsttest!”

(5) Der kleine Kalli – reine Vorsorgemaßnahme

Hätte er nicht durch Zufall das Faltblatt in der Tageszeitung gesehen, wäre Kalli wahrscheinlich niemals auf die Idee gekommen zum Arzt zu gehen. Doch glücklicherweise war ja “noch nichts zu spät”, wie es in der Infobroschüre hieß. Ein bisschen mulmig war Kalli ja schon. Ab dem zwanzigsten Lebensjahr sollte man jährlich die gynäkologische Untersuchung durchführen lassen, dabei ist er schon über dreißig und die Premiere rangierte unter “besser spät als nie”. Und da saß er nun. Im unklimatisierten Wartezimemr zusammengefercht mit acht Frauen. Männer schienen das Problem – wie so häufig in Gesundheitsfragen – nicht so ernst zu nehmen. Während er im Wartezimmer sitzt und genüsslich die Brigitte anschaute, wie diese in der “Glamour” laß, betrat eine Frau die Praxis und posaunten lauthals etwas von “Pille vergessen” und “ich glaub, ich bin schon wieder schwanger”. Begleitet von ihrem knapp zwei Jahre alten Kind und einer knapp begleiteten Freundin, stand die offensichtlich einem sozialen Brennpunkt entstammende korpulente Frau mit Leopardenmusterhose verzweifelt dort. Kalli, der den Parkplatz der Praxis einsehen konnte, war schon lange beim schnellen und schiefen Einparken klar, das es ein Notfall sein musste. Und was war die Reaktion der offensichtlich überforderten Arzthelferin? Sie verwies die drei (oder vier) ins Wartezimmer. Zu Recht war die Patientin sauer und meinte, auch mit Blick auf das vollbesetzte und unklimatisierte Wartezimmer, dass sie draußen im Auto warten werde und jetzt eh erstmal eine Zigarette bräuchte. Dem kleinen Kalli erging es aber auch nicht besser. Als er endlich ins Behandlungszimmer gerufen wurde, bekam er “100 prozentig sichere” Pillen für Männer, nach deren Verwendung bisher noch kein Mann schwanger wurde, und eine Überweisung zum Urologen. “Na wnigstens erwartet mich dort die Sportbild” dachte sich klein Kalli und schwor sich, zukünftig nicht mehr so viel auf Zeitungsbeilagen zu geben.

Bonkos’ Werbeoffensive 2013:

Gratisvisitenkarten von easyprint.de – man darf gespannt sein, ob es klappt.

visitenkarte

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Bonkos’ Bild des Tages:

Unwählbar! Eine Partei in der "Die Amigos" nicht erwünscht sind. (Foto: Bonkos)

Unwählbar! Eine Partei in der “Die Amigos” nicht erwünscht sind. (Foto: Bonkos)

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(4) Der kleine Kalli – und Tante Herta

Es klingelt an der Wohnungstür. Kalli zuckt zusammen und schaut sich nochmals vergewissernd, ob auch wirklich alles ordnungsgemäß an seinem vorgesehenen Platz ist, in seinen vier Wänden um. Langsam und respektvoll nähert sich klein Kalli der Tür. Wohlwissend was ihn dahinter erwartet: Tante Herta. Monate zuvor hatte sich die kleine untersetzte und geschwätzige Person angekündigt. Unzählige Telefonate später, war es nun soweit. Der obligatorische jährliche Besuch stand an. Kalli, der in seinem Freundeskreis nur von der „jährlichen Inventur“ sprach, hatte sich für diesen Moment diesmal bestens vorbereitet. Die Wohnung war bestmöglich aufgeräumt und alles andere hatte er in den abschließbaren Wandschrank gepresst. Raumduftspray überdeckte den Zigarettengeruch und ein Bild von Kallis Arbeitskollegin, die sich netterweise für ein Pärchenfotoshooting zur Verfügung gestellt hatte, stand schön gerahmt und gut sichtbar auf dem Wohnzimmerschrank. Die Kaffeemaschine freute sich in der Küche über ihren alljährlichen Einsatz und der Fernseher war bereits zur Aufzeichnung des Fußballländerspiels programmiert. Bevor klein Kalli die Türklinke zum Öffnen nach unten drückte, holte er noch einmal tief Luft und wischte die schwitzige Hand an der Hose ab. Dann öffnete er die Tür. Ein junger Mann stand vor ihm und hielt Kalli ein Blech Streuselkuchen unter die Nase. „Ihre Bestellung, ich bräuchte dann da unten noch eine Unterschrift“ Kalli war erleichtert, wusste aber auch, dass damit das Warten auf die jährliche Inventur lediglich noch etwas andauerte.

Bonkos’ Bild des Tages:

Eine Kanzlei, die tiefer nachbohrt! (Foto: Lesereinsendung)

Eine Kanzlei, die tiefer nachbohrt! (Foto: Lesereinsendung)

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Bonkos’ kurze Filmkritik zu „World War Z“:

+Schockmomente
+Spannung/Nervenkitzel
+überraschende Elemente/Wendungen
-keine neuen Ideen
-teilweise zu rasante Kameraführung

„World War Z“ ist ein Zombiefilm. Ein zugegeben guter Zombiefilm aber nicht mehr und nicht weniger. Ein Familienvater, der früher einen Superberuf hatte und jetzt wieder die Welt retten soll, sich dabei durch Zombiebesetzte Gebiete kämpft und den Bissen dauernd nur knapp entkommt. Die Rettung ist ein Impfstoff in einem Labor, wer hätte das gedacht? Die Story bietet wahrlich keine Innovationen und bewegt sich irgendwo zwischen „I am Legend“ und „Shawn oft he dead“. Dabei liefert der Film die nötige Spannung und dauerhaften Nervenkitzel zweifelsfrei ab. Hat einige sehr gut gelungene Stellen und tolle 3 D Schock-Effekte. Einige Schnitte sind zwar zu schnell, sei dem Regisseur aber verziehen. Wer eine Neuauflage eines klassischen Zombiefilms sucht, der wird hier fündig. Aber letztlich vermag es auch ein Brad Pitt nicht, diesem Zombiefilm das gewisse etwas zu verleihen, der den Streifen von der Masse abzuheben vermag. Vor allem der durchgehenden Spannung verdankt der Film:
7/10 Punkte

 

Bonkos’ Bild des Tages:

Paradoxon am Fuldaer Bahnhof (Foto: Bonkos)

Paradoxon am Fuldaer Bahnhof (Foto: Bonkos)

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(3) Der kleine Kalli – im Einkaufsparadies Kaufland

Es ist Samstag Abend kurz vor 22.00 Uhr und die Mitarbeiter des Kauflandes Ober-Hintertupfingen räumen bereits die Angebote, die sie am Morgen lieblos auf Europaletten vor der Eingangstür platziert hatten, ein. Kalli, der die letzten Erledigungen für Sonntag machen muss (Fertigpizza und 20 Dosen Red Bull), sucht verzweifelt einen freien EKW (Einkaufswagen). Weil er, wie alle anderen Kauflandkunden, nicht bereit ist, einen etwas weiter entfernten EKW-Spender zu benutzen, verharrt Kalli mit einem Einkaufschip, den er immer am Schlüsselbund trägt, um im Falle eines Falles nicht einen Euro parat halten zu müssen, mehrere ärgerliche Minuten vor dem leeren EKW-Parkplatz neben der Eingangstür.
Drinnen im Supermarkt findet sich der kleine Kalli schnell zurecht. Den Weg zur Tiefkühltruhe kennt er im Schlaf und auch der Griff ins Red Bull Regal ist pure Routine. Im Kassenbereich angekommen, sucht sich Kalli die kürzeste Schlange, mit einer vorgelagerten Kasse und fertig ausgebildeter Kassiererin sowie möglichst wenigen Rentnern aus. Mangels Schnellkasse dauert es dennoch bis 22.00 Uhr bis Kalli seine Artikel auf das Förderband legen kann. Mit dem Toplerone-Warentrenner grenzt Kalli seinen Einkauf von dem Salatdressing und Gemüseberg der Kundin vor ihm ab. Doch auch an der perfekten Kasse passieren Dinge, die man als kundiger Kunde, wie Kalli einer ist, nicht vorhersehen kann. Und so lässt der Stornoruf nach einem Manager an Kasse drei nicht lange auf sich warten. Nachdem ein Manager-Kollege das Einräumen der Regale unterbrochen hat, um die Kasse mit der Eingabe des Codes „1234“ zu entsperren, kann es weitergehen. Kann. Denn da wäre noch die etwas ältere Dame, die versucht, ihren Maracuja-Joghurt passend zu bezahlen. Nach mehreren Minuten schüttet die Frau den gesamten Portmonaieinhalt auf den Kassenbereich, der mit dem sinnigen Hinweis „hier keine EC-Karten ablegen“ gekennzeichnet ist mit den Worten „ach, schauen Sie mal selbst“. Letztlich passt es doch nicht und sie muss mit einem 500 Euroschein bezahlen. Als klein Kalli endlich an der Reihe ist, lässt er es sich nicht nehmen, seinen Betrag mit Karte zu bezahlen, um die Nachfrage der Kassiererin „4 Cent klein vielleicht?“ zu vermeiden. „Ihre Geheimzahl und mit Grün bitte bestätigen“, leiert es nur monoton.
Kalli schnappt sich seinen Einkauf, eilt noch schnell zum Bäcker im Eingangsbereich und bestellt, obwohl er fünf Brötchen möchte, geschickter Weise nur vier. Denn Kalli weiß, „eins mehr ist heute im Angebot“. Den Einkauf im Auto verstaut, parkt Kalli noch schnell den EKW im EKW-Spender ganz am anderen Ende des Kauflandparkplatzes und denkt sich: „das nächste Mal gehe ich sonntags zur Tanke!“

Bonkos‘ Bildinterpretation zu “Schogetten essen Milka auf!”:

Auf dem grauen Büroschreibtischhintergrund tummeln sich zwei farbige, den Duft von Sommer und Kakao verströmende, aus recyclebaren Wertstoffverpackungen hergestellte und liebevoll drapierte Schokoladenverpackungen. Die eine aus massivem Karton, eine Vielzahl an kleinen Leckerbissen bereithaltend, die andere aus wiederverschließbarem Kunststoff, der mit einem Phantasiewesen bedruckt ist. Der Büroalltag (hier durch den Künstler durch ein Kabel dargestellt) tangiert die beiden Kontrahenten nicht. Den Widerstreit der Geschmäcker symbolisierend versucht die Schogettenpackung die Milkahülle aufzuessen. Dabei deutet der Künstler mit dem Aufdruck “Stück für Stück”, welcher mahnend auf der Schogettenpackung prangert, auf die große Ironie und das kurze Haltbarkeitsdatum dieses Genussmittels hin. War es in “Kuh frisst Maiskolben” noch die Kuh, welche sich der Pflanzen bediente, so ist es nunmehr das Milchprodukt derselben, welches die Kuh selbst – entfremdet in LILA dargestellt – dahinrafft. Das Werk “Schogetten essen Milka auf!” setzt damit vollkommen neue Akzente und will Grenzen überwinden, wo keine sind. Wer einen Nachdruck dieses einmaligen Aktes der Wertstoffmoderne als Leckerbissen in seinen vier Wänden wissen möchte, der wendet sich bitte an den Künstler. Ein süßes Werk, das den Betrachter und die Protagonisten – gerade im Sommer – dahinschmelzen lässt.

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(2) Der kleine Kalli – geht Baden

Bei diesen Temperaturen war Kalli richtig froh, eine kühle Dusche zu nehmen. Wenn schon kein Schwimmbadbesuch und Regen von oben, so ließ er sich von dem Grohe “Tropical-Rainfall-Power-Massage-Shower” Duschkopf, den er tags zuvor im Baumarkt für einen Monatslohn erstanden hatte, mit dem kalkigen und chlordurchsetzten Leitungswasser der örtlichen Stadtwerke berieseln. Normalerweise trällerte klein Kalli dabei seine Lieblingsmärsche (Hoch Heidecksburger und Florentiner Marsch) und dirigierte dazu vergnügt mit dem Wasserabzieher. Normalerweise. Heute jedoch lauschte er dem Mobilteil seines Gigaset-Telefons, welches, obwohl von Siemens, auf dem an die Dusche angrenzenden Fensterbrett stand, da es -laut Gebrauchsanleitung- lediglich spritzwassergeschützt ist und keinesfalls dem Wasserschwall eines Grohe “Tropical-Rainfall-Power-Massage-Shower” Duschkopfs hätte standhalten können. Das Mobilteil aber schwieg. Eigentlich wollte die Dame von der Stadt, die er, kurz bevor er sich in das Duschvergnügen stürzte, wegen Bauarbeiten vor seinem Haus angerufen hatte, Kalli in Kürze zurückrufen. Aus Kurz wurde Lang und Kalli beschloss, sich zumindest schon einmal einzuseifen. Als er, nachdem er von Kopf bis Fuß seinen Körper in Lauge wusste, wieder das Wasser anstellen wollte, um den Tropical Rainfall zu genießen, schwieg der Wasserhahn. Und wie abgesprochen klingelte das Mobilteil des Telefons und verlangte danach, mit eingeseiften Händen von der Fensterbank gegriffen zu werden. Obwohl Kalli nicht ganz klar war, ob Seifenlauge auf der Höhrertaste nun schlimmer ist als Spritzwasser, entschied er sich das Gespräch entgegenzunehmen. Am Ende der Leitung ertönte eine krächzende Stimme und schrie in seine frisch eingeschäumte Ohrmuschel: “Ich muss Ihnen mitteilen, dass wir im Rahmen der Bauarbeiten vor Ihrem Haus das Wasser für die nächsten Stunden abstellen mussten. Ich bitte Sie, Ihre Gewohnheiten bezüglich Duschen und Toilettengang etc. daran anzupassen. Danke!” Kalli bedankte sich höflich für den netten Hinweis, zog seine Badehose an und machte sich auf den Weg zum städtischen Schwimmbad.