Filmkritiken

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Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Out of Play”:

+ Schauspieler
– langeweilige Story
– träge Dialoge
– Filmmusik

“Out of Play” ist ein äußerst träger Film, der mit einer derart ausgenudelten Story daher kommt, dass es schon fast skurril wirkt. Alles schon dagewesen und in wenigen Sekunden erzählt: Mann, Trinker, Basketballteam erfolglos, Team verliert, Trinker wird Trainer, Team wird besser, Team gewinnt, Trainer fliegt, Team gewinnt trotzdem. Auch die Nebengeschichten bieten keinerlei Spannung. Wer Ben Affleck schon immer mal 109 Minuten betrunken erleben wollte, der wird hier fündig. Das Setting und die Stimmung ist übrigens mit einem Arte Arthousefilm vergleichbar: Keine Hintergrundmusik und karge Dialoge. Damit zieht man keine Wurst vom Brot. Mein Tipp: Oskarverdächtig!

3/7 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Edison – Ein Leben voller Licht”:

+ Szenenbild
+ Schauspieler
+ Kostüme
– Hintergründe bleiben teilweise im Dunkeln

Ein beeindruckendes Schauspiel zaubert “Edison – Ein Leben voller Licht” auf die Kinoleinwand. Waren Dokumentationen einst langweilig, Dokutainment ein Weichspülvorgang, so hebt dieser Film die Darbietung historischer Abläufe auf ein neues Niveau. Schauspielerische Glanzleistungen und Szenenbilder, die einen ebenso fesseln wie der Ideenreichtum von Edison und den Kostümbildnern. Trotz allem Licht in diesem Streifen bleiben einige Hintergründe im Dunkeln und werden leider nicht beleuchtet. Bester Auftritt übrigens: der Hund Napoleon. Cumberbatch-Fans gehen ohnehin rein, alle anderen sollten sich die moderne Historienverfilmung ebenfalls nicht entgehen lassen. Endlich mal wieder ein Film, der – völlig zu recht – besonders auf der Kinoleinwand wirkt.

8/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Das Beste kommt noch”:

+ Charme
+ Schauspieler
– Längen

Freunde der französischen Komödie aufgepasst. Mit “Das Beste kommt noch” trifft der Titel gleich doppelt ins Schwarze. Mit einigen halb garen Sprüche, die auf den Zuschauer wirken, als seien sie gerade aus der Feder eines Comedyneulings entsprungen, kommt dieser recht gefällige französische Film daher. Das ernste Thema wird hier in den Charme einer Alters-Verwechslungs-Komödie eingewickelt und den Zuschauern in homöopathischen Dosen serviert. Der Film hat ganz klar seine Längen und die Story wirkt auch bekannt. Umso positiver kommt die schauspielerische Leistung der Darsteller daher, die herrlich unaufgeregt auch laue Witze präsentieren.

6/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Der Fall Richard Jewell”:

+ Charakterzeichnung
+ gute Story
+ Schauspieler
– Kamera
– teilweise Längen

Mit “Der Fall Richard Jewell” kommt ein spannender und auffällig anderer Film in die Kinos, der sich sowohl in Sachen Story als auch in der Charakterzeichnung von gewöhnlichen Hollywood-Produktionen unterscheidet. Der Zuschauer wird in eine Welt des Auf und Abs gezogen und erhält durch die wackelige Kameraführung tiefe Einblicke in die besonderen Lebenswelten der Akteure. Keine leichte Kost und dennoch ein erfrischend neues Format, dass derzeit Einzug hält in die Kinosäle. Keine Frage, hier ist Clint Eastwood ein wirklich toller Film gelungen.

8/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Lady Business”:

– Story
– Witze
– Schauspieler
+ Laufzeit (83 Minuten)

Wie gut, dass Filme heutzutage digital hergestellt werden, bei diesem Streifen wäre es schade um jeden Zentimeter Film. Eine knallbunte kitschige Welt wie aus einem Kaugummiautomaten mit einer Weltanschauung eben aus genau der Zeit von Kaugummiautomaten wabbert unlustig und langweilig vor sich hin. Wer hier die Augen offen halten kann, der verdient Respekt. Die Story dünn, die Klischees völlig übertrieben und insgesamt alles abgedreht. Apropos abgedreht: das einzig gute ist, dass sich der Film selbst nicht wie Kaugummi zieht. Vermutlich an einem Wochenende abgedreht sind nicht mehr als 83 Minuten Klamauk herausgekommen. Und das ist auch schon das einzig Positive. Schade ums Geld!

1/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Der Spion von nebenan”:

+ Schauspieler
+ Charme
– Story
– teilweise übertrieben kitschig

“Der Spion von nebenan” ist ein durchweg übertrieben kitschiger aber lustiger Film, der eine deutlich zu dürftige Story hat. Dennoch ist es am Ende ein recht unterhaltsamer Film mit ein paar guten Lachern. Besonders gelungen ist die schauspielerische Leistung der kleinen Hauptdarstellerin. Leider überzeugen nicht alle Darsteller in ihren Rollen und so ist man als Zuschauer doch froh, dass einige Auftritte von kurzer Dauer sind. Wer Ulk mag und bei “Kevin allein Zuhause” schmunzeln kann, der sollte hier nicht weg schalten. Das Geld für’s Kino braucht man hingegen nicht unbedingt in die Hand zu nehmen.

6/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Just Mercy”:

+ Schauspieler
+ Charakterzeichnung
– Längen
– schwer verdaulicher Stoff

“Just Mercy” ist ein Gerichtsfilm, der vielmehr über die Schwierigkeiten rund um den Justizapparat in Amerika berichtet und die dunklen Kapitel aufschlägt. Wer denkt, hier leichte Hollywoodkost präsentiert zu bekommen, der irrt. Der Film lässt einen die Qualen und Längen des Rechtsweges hautnah im Kinosessel miterleben und das ist manchmal ziemlich ermüdend und schwer. Gelungene Charakterzeichnung und eine gut schauspielerische Leistung verhelfen dem Film aber dennoch zu einer gewissen cineastischen Qualität, was den Zuschauerkreis nicht auf Jurastudenten und Schwerverbrecher begrenzt. Bedenkt man, dass Diskriminierung und Justizskandale auch heute noch ein Thema sind, ist dieser Film ein gelungener Warnhinweis.

7/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu „The Gentlemen“:

+ Dialoge
+ Handlungsstrang
+ Schauspieler / Charaktere
– Einstieg

Der neue Film von Guy Ritchie kommt mit coolen Charakteren und einer Welt abseits der wirklichen Welt daher. Das Drogen-Gemetzel-Inferno spielt mit den Figuren und lässt jede einzelne Szene spannend aufblitzen. Die Kombination aus einer Story a la „Bube, Dame, König, Gras“ (ebenfalls Guy Ritchie, 1998) und einer Inszenierung a la Tarantino machen den Film zu einem echten Kino Highlight, das man unbedingt auf der Leinwand genießen sollte. Der Einstieg und Aufbau der Story ist etwas müßig  und so dauert es enorm lange, bis der Zuschauer weiß, worauf der Film eigentlich hinaus will. Wohltuend ist zudem, dass die Kameraführung und Gewaltdarstellungen nicht übertrieben sind, wenngleich der Film durchaus extreme Szenen bereit hält. Wer schon immer mal coolen Typen aus der „Unterwelt“ über die Schulter schauen wollte, der sollte sich diesen Streifen auf keinen Fall entgehen lassen.

9/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu „Das geheime Leben der Bäume“:

+ Darstellung und Visualisierung
+ Wohllebens herrlich unaufgeregte Art
+ Voll von neuen Infos
– bleibt oft an der Oberfläche
– teilweise zu nett verpackt

Wer denkt, er kennt sich in den heimischen Wäldern aus, der dürfte bei diesem Dokutainment-Film eines besseren belehrt werden. Tolle Bilder gespickt mit kurzen prägnanten Aussagen und Infos machen das Kinoerlebnis perfekt. Oder wussten Sie, dass Bäume ihre Abkömmlinge stillen und ihre Kranken pflegen? In Peter Lustig Manier wird der Zuschauer mit leicht verdaulichen Informationen gefüttert und bekommt die Kritik am eigenen Lebens- und Wirtschaftsstil in verträglicher Dosis serviert. Gerne dürften die Geschichten tiefer gehen und sicher hat man auf deftige Würze bewusst verzichtet, aber insgesamt kann man von einer überaus gelungenen filmischen Umsetzung sprechen. Jäger, konventionelle Forstbetriebe und Männer kommen zwar nicht ganz so gut weg, sollten aber unbedingt ins Kino gehen!

8/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Intrige”:

+ Kulisse/Set
+ Filmfärbung
– Story Schwerpunktsetzung
– verschenktes Potential

Ein Historiendrama mit viel verschenktem Potential bringt Polanski mit “Intrige” auf die Kinoleinwand. Wer ein üppig ausgestattetes Historiendrama mit viel Liebe zur detailreichen Darstellung und eine Filmfärbung a la “Ripper Street” sucht, der kommt hier auf seine Kosten. Allerdings vermag die tolle Ausstattung nicht über die dünne Darstellung der Story hinwegzutäuschen, die in einer Hollywoodproduktion in einer guten Viertelstunde abgefrühstückt gewesen wäre – Polanski gönnt den recht guten Schauspielern immerhin ganze 132 Minuten. So quält sich der Erzählstrang durch viel Unbedeutendes und übernimmt sich schließlich mit dem Thema Antisemitismus. Denn eigentlich sollten nicht Kostüme und Militärstrukturen im Mittelpunkt stehen, sondern der Justizskandal um die Dreyfus-Affäre. Doch bis der Film dahin gekommen ist, ist er auch schon vorbei. Das Ende des Films wirkt nämlich so, als sei das Geld ausgegangen. Und so bewegt sich der Streifen irgendwo zwischen Arthouse, Historiendrama und Kostümfilm, wobei er nur letzterem wirklich gerecht wird.

6/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “1917”:

+ geniale Kameraführung
+ bester Filmschnitt ohne Schnitte
+ realistische Verfilmung
+ gute schauspielerische Leistung
+ wahnsinns Atmosphäre
– teilweise Modelllandschaftseindruck

Kein Zweifel, 1917 ist DER FILM des Jahres 2020. Kaum ein Film nimmt den Zuschauer so nah, so realistisch und so kunstvoll beeindruckend mit in eine grausame, lebensfeindliche Zeit. Selten hat ein Film auf technischer Seite derart gefesselt. Die schauspielerische Leistung rundet die spannende Story (a la “Der Soldat James Ryan”) und die detailreiche Ausstattung des Sets ab. Effekte wie der Ballhaus-Kreisel und die quasi nicht vorhandenen Schnitte schaffen eine einmalige Atmosphäre. Und trotz des Echtzeitgefühls kommt keine Langeweile auf. Hier richtet sich die Kulisse nach den Dialogen und der Zuschauer kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Absolute Empfehlung für alle Cineasten!

10/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Knives Out”:

+ Ambiente
+ Plot Twist
+ Schauspieler
– teilweise nicht konsequent

Knives Out ist ein gelungener Film, der mit schönen Wendungen daher kommt und durchaus zu überraschen weiß. Vieles liegt im Vagen und das ist leider auch die größte Schwäche des Streifens, denn stellenweise ist das Gezeigte Selbstzweck und trägt nicht zur Storyentwicklung bei. Und so ist der Film eine Mischung aus Krimi und Thriller. Anspielungen aus Cluedo, Agatha Christie und Co. sind ebenso mit von der Partie. Wer Rätselraten mag, der kommt auf seine Kosten, wenngleich einige Elemente für erfahrene Krimifans durchaus vorhersehbar sind. Umso liebevoller ist das Ambiente gestaltet. Ein Set wie ein Cluedobrett, leider wird dieses viel zu oft verlassen. Dennoch ein überaus gelungener Film, der einmal mehr unter Beweis stellt, dass Action und überladende Effekte nicht alles sind in der Filmwelt.

8/10 Punkten