Filmkritiken

Category Archives:Filmkritiken

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Avengers: Infinity War”:

+ breiter Ritt durchs Marvel-Universum
+ Soundeffekte
+ kein Standardende
– 3D
– Story

Willkommen im Marvel-Universum oder: Wie man sämtliche Filme eines Produktionsstudios zusammenflickt. Und in diesem Universum sollte man sich als Zuschauer gut auskennen, sonst versteht man nichts. Somit eignet sich der im Übrigen eher schwache Streifen nur für eingefleischte Fans. Freuen kann man sich über den Auftritt der Guardians of the Galaxy, durch die der Film zumindest einen Funken Witz erhält. Das Endzeitthema “Überbevölkerung” ist nunmehr auch bei den Avengers angekommen und wirkt – wie die gesamte Story – ausgelutscht. Hinzu kommt ein außerordentlich schlechtes 3D. Positiv aufgefallen sind hingegen die guten Soundeffekte. Die Stärken liegen am ungewöhnlichen Ende des Films. Wer zweieinhalb Stunden größere und kleinere Scharmützel über sich ergehen lässt, den erwartet zwar kein großes Finale – aber eine Überraschung mit vielen weiteren Fragezeichen. Insgesamt scheinen die Macher diesmal etwas weit über das Ziel hinausgeschossen zu sein.

6/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Feinde – Hostiles”:

+ klassische Westernaufmachung
+ Tiefgang
+ gute Kamera
– Längen

Mit “Feinde – Hostiles” ist der klassische Western zurück im Kino. Wer sich nach Indianern, dem weißen Mann und dem Fernsehgefühl verregneter Sonntage sehnt, der wird hier seine Erfüllung finden. Insbesondere die klassische Aufmachung, die gekonnte Kameraführung und das Szenenbild schaffen ein altbekanntes Westernfeeling. Den Gegenpunkt setzt Scott Cooper mit brutalen Szenen, Mord und Totschlag, Gewissensbissen, Überlebenskampf und der Frage nach dem Sinn und Unsinn des Ganzen. Dabei verlässt der Film die Grenzen früherer Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Gut und Böse wird zu einem Grau, dass sich auf die Seele niederschlägt – auch beim Zuschauer. Wie ein guter Western zieht sich der Streifen etwas und hat unangenehme Längen. Christian Bale gibt einen wunderbaren Westernhelden und zugleich den besseren “The Revenant”. Wer Westernfilme mit Tiefgang mag, wird hier sicher fündig. Am Ende bleibt nur die Frage, ob der Film vielleicht ein wenig zu viel will.

7/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Der Hauptmann”:

+ gute Kamera
+ Schauspieler
+ harte Bilder in SW
– gegen Ende knapp

“Der Hauptmann” ist ein Film, der sicher bis ins Mark aufschrecken lässt. Die durchweg spannungsgeladene, von Brutalität und Gräuel nur so strotzende Verfilmung gewährt dem Zuschauer einen tiefen Einblick in die düstersten Abgründe des Menschen. Das Blut gefriert in den Adern und auch das kunstvoll und sicher eingesetzte Schwarz-Weiß des Films vermag den Schrecken kaum zu mildern. Die Geschichte basiert, kaum vorstellbar, auf einer realen Vorlage und kann als grausame Steigerung des Hauptmanns von Köpenick gelten. Unvorstellbar, eindrucksvoll, bedrückend und beängstigend sind die Worte, die bei dieser Verfilmung wohl im Raum stehen. Das Thema ist schwer, gleichwohl muss man die Umsetzung und Darstellung loben. Kein Streifen für schwache Gemüter und doch so wichtig, ein Antikriegsfilm, wie es besser kaum geht. Nur das Ende kommt, nach langer und gelungener Einleitung, recht unerwartet und schnell. Lenkt aber den Fokus auf die Entwicklung und das Grauen, weg von den Folgen. Der Abspann schafft es, die Abgründe in die Gegenwart zu holen.

8/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Black Panther”:

+ gesellschaftskritisch
+ detailreich
+ Abwechslungsreich
+ keine Übertreibungen
– viel Pathos

Der König ist tot, lang lebe der König. Einmal König sein, so könnte man das neueste Werk aus dem Hause Marvel zusammenfassend beschreiben. Die 2h 15m Laufzeit vergehen wie im Flug und den Machern ist es gelungen sehr viel Inhalt reinzupacken. Gesellschaftskritische Töne finden ebenso ihren Platz wie übertriebener Pathos, Revierkämpfe und spannende Verfolgungsjagden. Mit viel Liebe zum Detail sind die Bilder eine wahre Wohltat für Avatar-verwöhnte Kinobesucher. Die Actionszenen bewegen sich auf dem Boden der Tatsachen und auch die Bösewichte sind vielschichtig gezeichnet. Mit dem Film beweist Marvel zugleich, dass es im Reich der Superhelden nicht zwingend Kraftausdrücke und Fäkalsprache braucht, um Dialoge zu formen. Alles in allem ein guter Film, den man sich durchaus öfter zu Gemüte führen kann.

8/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Unsere Erde 2”:

+ interessante Bilder
+ Atmosphäre
– kein 3D
– alberne Sounds

Die glorreichen Zeiten der Tierdokumentarfilme à la Grzimek sind längst vorbei. Und doch gelingt es auch Jahrzehnte später noch, atemberaubende Bilder auf die Leinwand zu zaubern. Der Film “Unsere  Erde 2” gewährt Einblicke in wenig oder gar unbekannte Lebensweisen in der Tierwelt. Die Tierfilmer zeigen mit Nahaufnahmen, Zeitlupen und imposanten Einstellungen, was sie können. Leider verpasst man es, die 3D-Technik zu nutzen und auf diese Weise das gezeigte noch lebendiger zu gestalten. Mit Günther Jauch hat man eine bekannte und passende Stimme gefunden. Trotz gut abgestimmter Hintergrundmusik patzt der Film auf der Audiospur. Dort toben sich alberne und völlig deplatzierte Sounds aus. So sind Rennwagengeräusche bei einer davon laufenden Maus wahrhaftig nicht nötig.

6/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Die Verlegerin”:

+ Hauptdarsteller
+ Idee
– Zuschauer wird allein gelassen

Die Idee, eine “zweite Reihe Geschichte” zu beleuchten, ist durchaus gelungen. In den Wirren des Film, bei dem der Zuschauer nach Ordnung ringt, geht es um Pressefreiheit, Frauen in Machtpositionen und Verantwortung. Die Hauptdarstellerin spielt souverän und oscarreif. Es gelingt ihr, die Zerrissenheit und Gewissenskonflikte ohne viele Worte auf die Leinwand zu bringen. Der eigentliche Skandal über den Vietnamkonflikt bleibt dezent im Hintergrund und liefert nur die Rahmenhandlung. Der Zuschauer erhält einen wunderbaren Einblick in Männerwelten, Verbindungen von Medienwelt und Politik sowie Einflussnahmen und Machtkämpfe. Dem Film gelingt es, Spannung aufzubauen und zu halten, wo eigentlich gar keine Spannung ist. Gegen Ende hin, will der Film dann etwas zu viel. Nach dem Gerichtsprozess am Ende, tritt die Verlegerin wieder wunderbar in die “zweite Reihe” zurück, läuft jedoch – fernab des Medienrummels der Mitbewerber – aus dem Gerichtsgebäude und wird nur von Frauen beachtet. Doch abgesehen von diesen kleinen Übertreibungen überzeugt der sonst sehr dezente Film durchaus.

7/10 Punkte

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”:

+ unkonventionelle Story
+ große Effekte mit kleinen Mitteln
+ beiläufiger Blick auf die verschiedenen Probleme der Gesellschaft
+ Kamera
+ Tiefgang
– durchgängige Fäkalsprache

Kann man mit nur drei Werbetafeln einen abwechslungsreichen Film drehen, der spannend, unkonventionell, skurril ist und nachdenklich macht? Man kann! Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein wundervoll ausgestaltetes Werk, dessen aufwendiges Drehbuch seines Gleichen sucht. Tolle Wendungen, viel Stoff zum Nachdenken und einen Blick in die Welt der Sorgen und Hoffnungen der Menschen, all das bietet der Film. Dabei wird auf Witz und Spitzfindigkeiten ebenso wenig verzichtet wie auf reale Gewaltdarstellung. Einziger Kritikpunkt ist die durchgängige Fäkalsprache, die in diesem Maße unnötig ist. In einer Zeit von digitalen Medien, setzt ein Film über Werbetafeln einen Kontrapunkt. Die Themen Schuld, Hoffnung, Rassismus, Gewalt und andere gesellschaftliche Felder werden dabei so gut bearbeitet, dass man beinahe erdrückt wird. Auf jeden Fall ein sehenswerter Film.

9/10 Punkte

 

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Downsizing”:

+ gute Idee
+ unvorhersehbare Entwicklung
+ gesellschaftskritisch
+ Charakterzeichnung
– verschenktes Potential
– wenige Effekte

Die Idee der kleinen Leute auf der Leinwand ist nicht neu. Aber auch nicht schlecht. Filme wie “Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft” oder “Ein Fall für die Borger” haben es vorgemacht. Mit “Downsizing” bekommt die Idee einen neuen Anstrich. Mit Gesellschaftskritik und Geschichten und Charakteren, die das moderne Leben schreibt, beamt das Geschehen den Zuschauer in eine wundersame Welt. Ob nun verrückte Wissenschaftler, korrupte Geschäftsleute, Menschen der Unterschicht oder, oder, oder. Der Film nimmt alles mit. Löst nicht alles auf. Verschafft Einblicke in Abgründe und lässt den Witz der Winzigkeit oft zu Gunsten dramatischer Wendungen liegen. Das Ergebnis ist ein eher nachdenklicher Film mit unerwarteten Wendungen und teilweise auch Längen. Die Schauspieler geben ihr Bestes. Leider kann man das nicht von den technischen Möglichkeiten bei der Umsetzung sagen. Schade eigentlich.

7/8 Punkte

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Dieses bescheuerte Herz”:

+ realistische Darsteller
+ Abwechslungsreich
– teilweise etwas dick auftragend
– flacher Spannungsbogen

Mit “Dieses bescheuerte Herz” flimmert einer der realistischeren deutschen Unterhaltungsfilme über die Kinoleinwand. Dazu tragen insbesondere die Hauptdarsteller bei, die so herrlich natürlich agieren, und damit die teilweise überzogenen Ausrutscher in Sachen “dick aufgetragen” wettmachen. Lediglich Uwe Preuss enttäuscht. Die Stärke und gleichzeitig Schwäche des Films ist mit Sicherheit, dass er nur wenig durchgedrehtes liefert und insgesamt auf dem Boden bleibt. Das raubt zwar jegliche Spannung, vermittelt aber die reale Atmosphäre. Das Thema ist sicherlich nicht leicht zu verdauen, und das Setting kommt etwas träge und altbekannt daher, dennoch bietet der Film eine gute “Unterhaltung”. Prädikat “gutes deutsches Kino”.

6/10

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Star Wars: Die letzten Jedi”:

+ Kamera
+ Szenenbild
+ Schauspieler
+ neue Ideen
+ kein weiterer Todesstern
– zu viel “Macht”
– keine klare Storylinie

Wohin entwickelt sich Star Wars? Mit Episode 8 kommt der bislang längste Star Wars Streifen auf die Kinoleinwand. Und auch sonst bietet der neue Teil des Weltraummärchens einige Neuerungen, die für den Star Wars Fan durchaus gewöhnungsbedürftig sind. Während sich Episode 7 noch den alt bekannten Elementen wie Todesstern und Weltraumhäfen widmete, geht Teil 8 ungewohnt unbekannte Wege. Insbesondere der Fokus auf “die Macht” macht den Zuschauer etwas ratlos und man weiß nicht so recht, wohin das alles führen soll. Überragend hingegen ist die Anfangsschlacht, die nicht nur tolle 3D-Effekte auf die Leinwand zaubert, sondern auch ein bisschen an einen klassischen Kriegsfilm erinnert. Ansonsten färbt sich Star Wars allmählich grau. Das schlichte Schwarz-Weiß-, Gut-Böse-Denken weicht einem Grau, das aufgeladen mit Gesellschaftskritik und neuen Charakteren daherkommt. Ein bisschen verliert sich das Weltraumspektakel in den einzelnen Handlungssträngen, punktet dann aber wieder mit tollen Szenenbildern und Kamerafahrten. Leider trägt das “Macht-Gesäusel” zu dick auf und auch die 3D-Effekte verblassen im Laufe des Films ebenso wie die Rebellen. Es ist wohl keinesfalls der Beste Star Wars Film, aber immerhin gab es keinen weiteren Todesstern.

7/10 Punkte

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Justice League”:

+ Charaktere aus DC Universum
+ The Flash
– Animationen teilweise billig
– wenig eigene Ideen

Ein bunter Haufen an Superhelden aus dem DC Universum, dass den Marvel Raufbolden Konkurrenz zu machen versucht. Letztlich bleibt es aber bei einer eher schlecht als rechten Kopie der Avengers. Während die Helden bei Marvel inzwischen gelernt haben einiges mit Kopf und Teamgeist zu bewältigen, setzt man bei DC noch auf das gute alte “hier kommt der noch bessere mit noch ultra krasseren Kräften”. Ein bisschen scheint der Film in den Kinderschuhen stecken geblieben zu sein. Nur “The Flash” lockert das Kräftemessen etwas auf. Die Story besteht eigentlich nur aus der Suche nach drei Schminkkästchen, die von Mottenaliens bewacht werden. Damit bewegt man sich irgendwo zwischen “Die Drei Fragezeichen” und der Kinderfilmversion von “Mothman”. Alles in allem ein eher durchschnittliches Kinovergnügen, dass man gut und gerne auch am Sofa erleben kann. Schade sind die teilweise wie in PC-Spielen wirkenden unrealistischen Animationen.

6/10 Punkte

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Mord im Orientexpress”:

+ Kamera
+ politische Themen
– Details
– Überflüssiges

Die Neuauflage von Agatha Christies berühmten Mord im Orientexpress kommt mit gemischten Gefühlen in die Kinosäle der Republik zurück. Da sind tolle Schauspieler, die ihre Rollen sehr gut rüber bringen (Johnny Depp), und hervorragende Kamerafahrten, beeindruckende Landschaftsbilder. Aber der Film enthält für einen Krimi zu wenige Details, die zur Klärung des Falls beitragen. Auch etliche Ungereimtheiten ärgern den Krimifan. Hercules Poirot kommt etwas wagemutiger daher, als im Original angelegt. Einige Actionszenen zeugen davon, dass der Regisseur wohl eher einen Sherlock Holmes drehen wollte. Es ist der erste Mord im Orientexpress Film, der mit warmen Bildern ein buntes Bild der damaligen Zeit zeichnet. Leider sind die Wagons eher schlicht gehalten und die Einrichtung orientiert sich eher an art deco. Im Großen und Ganzen wohl mehr vertane Chancen und nur ein weiterer Film, der sein Potential verspielt. Da helfen auch die vielen politischen Einwürfe nicht.

5/10 Punkte