Author Archives: Bonkos

Bonkos’ kurze Filmkritik zu „Das geheime Leben der Bäume“:

+ Darstellung und Visualisierung
+ Wohllebens herrlich unaufgeregte Art
+ Voll von neuen Infos
– bleibt oft an der Oberfläche
– teilweise zu nett verpackt

Wer denkt, er kennt sich in den heimischen Wäldern aus, der dürfte bei diesem Dokutainment-Film eines besseren belehrt werden. Tolle Bilder gespickt mit kurzen prägnanten Aussagen und Infos machen das Kinoerlebnis perfekt. Oder wussten Sie, dass Bäume ihre Abkömmlinge stillen und ihre Kranken pflegen? In Peter Lustig Manier wird der Zuschauer mit leicht verdaulichen Informationen gefüttert und bekommt die Kritik am eigenen Lebens- und Wirtschaftsstil in verträglicher Dosis serviert. Gerne dürften die Geschichten tiefer gehen und sicher hat man auf deftige Würze bewusst verzichtet, aber insgesamt kann man von einer überaus gelungenen filmischen Umsetzung sprechen. Jäger, konventionelle Forstbetriebe und Männer kommen zwar nicht ganz so gut weg, sollten aber unbedingt ins Kino gehen!

8/10 Punkten

Bonkos’ Bild des Tages:

Einmal muss jeder gehen… Es ist ein Abschied von einem EU-Mitglied, das geht, bevor es richtig dabei war. Und nach zähem endlosen Ringen ist kaum noch jemand traurig, dass der Brexit nun vollzogen wird. Selbst die Medien verloren zum Schluss das Interesse an dem Austrittsprozedere.

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Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Intrige”:

+ Kulisse/Set
+ Filmfärbung
– Story Schwerpunktsetzung
– verschenktes Potential

Ein Historiendrama mit viel verschenktem Potential bringt Polanski mit “Intrige” auf die Kinoleinwand. Wer ein üppig ausgestattetes Historiendrama mit viel Liebe zur detailreichen Darstellung und eine Filmfärbung a la “Ripper Street” sucht, der kommt hier auf seine Kosten. Allerdings vermag die tolle Ausstattung nicht über die dünne Darstellung der Story hinwegzutäuschen, die in einer Hollywoodproduktion in einer guten Viertelstunde abgefrühstückt gewesen wäre – Polanski gönnt den recht guten Schauspielern immerhin ganze 132 Minuten. So quält sich der Erzählstrang durch viel Unbedeutendes und übernimmt sich schließlich mit dem Thema Antisemitismus. Denn eigentlich sollten nicht Kostüme und Militärstrukturen im Mittelpunkt stehen, sondern der Justizskandal um die Dreyfus-Affäre. Doch bis der Film dahin gekommen ist, ist er auch schon vorbei. Das Ende des Films wirkt nämlich so, als sei das Geld ausgegangen. Und so bewegt sich der Streifen irgendwo zwischen Arthouse, Historiendrama und Kostümfilm, wobei er nur letzterem wirklich gerecht wird.

6/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “1917”:

+ geniale Kameraführung
+ bester Filmschnitt ohne Schnitte
+ realistische Verfilmung
+ gute schauspielerische Leistung
+ wahnsinns Atmosphäre
– teilweise Modelllandschaftseindruck

Kein Zweifel, 1917 ist DER FILM des Jahres 2020. Kaum ein Film nimmt den Zuschauer so nah, so realistisch und so kunstvoll beeindruckend mit in eine grausame, lebensfeindliche Zeit. Selten hat ein Film auf technischer Seite derart gefesselt. Die schauspielerische Leistung rundet die spannende Story (a la “Der Soldat James Ryan”) und die detailreiche Ausstattung des Sets ab. Effekte wie der Ballhaus-Kreisel und die quasi nicht vorhandenen Schnitte schaffen eine einmalige Atmosphäre. Und trotz des Echtzeitgefühls kommt keine Langeweile auf. Hier richtet sich die Kulisse nach den Dialogen und der Zuschauer kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Absolute Empfehlung für alle Cineasten!

10/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Knives Out”:

+ Ambiente
+ Plot Twist
+ Schauspieler
– teilweise nicht konsequent

Knives Out ist ein gelungener Film, der mit schönen Wendungen daher kommt und durchaus zu überraschen weiß. Vieles liegt im Vagen und das ist leider auch die größte Schwäche des Streifens, denn stellenweise ist das Gezeigte Selbstzweck und trägt nicht zur Storyentwicklung bei. Und so ist der Film eine Mischung aus Krimi und Thriller. Anspielungen aus Cluedo, Agatha Christie und Co. sind ebenso mit von der Partie. Wer Rätselraten mag, der kommt auf seine Kosten, wenngleich einige Elemente für erfahrene Krimifans durchaus vorhersehbar sind. Umso liebevoller ist das Ambiente gestaltet. Ein Set wie ein Cluedobrett, leider wird dieses viel zu oft verlassen. Dennoch ein überaus gelungener Film, der einmal mehr unter Beweis stellt, dass Action und überladende Effekte nicht alles sind in der Filmwelt.

8/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers”:

+ Storyführung
+ Animation
– 3D
– Hintergrundwissen erforderlich

Mit Episode 9 schließt sich ein weiteres Kapitel der Star Wars Saga. Was früher Krieg der Sterne hieß kommt heute teils bewusst retro teils hypermodern auf die Leinwand. Dabei versucht “Der Aufstieg Skywalkers” durchaus eine komplette Abrechnung mit allen in 7 und 8 aufgeworfenen Fragen zu liefern. Mehr Story, mehr Antworten, das scheint die Agenda des Films. Das gelingt auch durchaus, wenngleich man erkennt, dass man sich offensichtlich mit den Fans versöhnlich stimmen wollte. Gleichwohl überfrachtet es und wer kein Kenner des Star Wars Universums ist, bleibt wohl oft fragend zurück. Einer der wenigen Star Wars Episoden, die nicht für sich alleine steht. Die Animationen sind sehr gut gelungen, wenngleich – bis auf wenige Ausnahmen – das 3D gewohnt enttäuschend ist. Man kann gespannt sein, was noch kommt. Den alten Figuren trauert man jedenfalls nicht länger nach und auch die offenen Enden und Fragen haben sich in Wohlgefallen aufgelöst.

8/10 Punkten

(59) Der kleine Kalli – unhaltbar

In Sachen Haltbarkeitsdatum ist bei dem kleinen Kalli noch Luft nach oben, oder anders gesagt: Er hat sein persönliches Verfallsdatum noch lange nicht erreicht. Ein Datum war jedoch schon lange überschritten, nämlich das des Schokoadventskalenders, der vor dem kleinen Kalli lag. Bereits im Adventskalenderschlussverkauf des Vorjahres hat der kleine Kalli dieses Dosierungsnaschwerk käuflich im Schlussverkauf erstanden. Ein echtes Schnäppchen. Ganze 70% Rabatt gab der Verkäufer auf das seinem Nutzen zum damaligen Zeitpunkt schon lange beraubten Objekt. Der kleine Sparfuchs war in Kalli geweckt. Hinzu kam die Neugierde, wie lange sich wohl die Schokoladentürchen geschmacklich halten würden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum war – wie bei allen Adventskalendern – vom Hersteller geschickter Weise mit Oktober des Folgejahres angegeben. Doch davon ließ sich Kalli nicht verunsichern. Immerhin ist es ein MINDEST-Haltbarkeitsdatum und kein Verfallsdatum. Und auch die Sache mit dem Verwendungszweck erlebte am 1. Dezember des Folgejahres eine erneute Blühte. Und so stieg die Spannung beim Öffnen des ersten Türchens in Höhen, die der kleine Kalli sonst nur vom 24. Türchen kannte. Und das Ergebnis konnte sich sehen bzw. schmecken lassen. Letztlich – sinniert der kleine Kalli – ist das ganze Leben wie ein Adventskalender; Jeden Tag macht man eine Tür auf und isst.

(58) Der kleine Kalli – im Bus

Der Umwelt zuliebe hat der kleine Kalli den Bus Linie 18 in die Stadt genommen und das Auto stehen gelassen. Und das, obwohl er weiß, dass Stadtbusse nur zwei Modi kennen: Vollgas und Vollbremsung. Für schlappe 2,80 € fährt der Bus den kleinen Kalli bequem mit 130 anderen Personen ohne Klimaanlage bei 37 Grad im Schatten und mit Dreiecksimbus gesicherten geschlossenen Fenstern die 300 Meter zur Endhaltestelle. Das Platzangebot im Schweinetransporter, der an der Haltestelle an dem Bus vorbeifährt, ist deutlich besser, wenngleich das Reiseziel deutlich schlechter ist. Der öffentliche Personennahverkehr heißt nicht umsonst PersonenNAHverkher. Das musikalische Angebot wird von ein paar Halbstarken in der letzten Reihe übernommen, die den Bus mit HipHop aus ihren Handylautsprechern beschallen. Weder die genervten Blicke der anderen Fahrgäste noch die höfliche Aufforderung eines engagierten Mannes konnten die Jungs dazu bewegen, die Lautstärke auf ein dem Lautsprecher und den Ohren erträgliches Maß zu reduzieren. Einige Rentner griffen gar zum Äußersten und schalteten resignierend ihre Hörgeräte ab. Doch der kleine Kalli konnte die unerträglichen Klänge nicht länger hinnehmen und dachte, wenn schon alle zusammengepfercht wie am Strand von Mallorca dicht an dicht drängen müssen, dann möge doch auch eine ähnliche Stimmung herrschen. Und so stimmte er im Bus “Heute fährt die 18 bis nach Istanbul” an und alle – bis auf ein paar genervte Halbstarke in der letzten Reihe – sangen lauthals mit.

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Das perfekte Geheimnis”:

+ Kamera
+ Dialoge
+ Szenenbild
– Klischeebeladen

Mit Kammerstücken wie diesem schwingt sich die deutsche Komödie in Sphären, die den deutschen Film wieder interessant machen. Bereits “Der Vorname” war gelungene und vor allem tiefergehende Unterhaltung. Zwar bleibt “Das perfekte Geheimnis” eher in seichteren Fahrwassern und widmet sich sämtliche Fremdgehklischees, gepart mit spitzfindigen Dialogen und guten schauspielerischen Leistungen wird dennoch für gute Unterhaltung gesorgt. Gesellschaftskritik an Smartphones, dem Umgang mit pubertiertenden Kindern oder Homosexuellen werden dennoch behandelt. Insgesamt ein gefälliges Kammerstück, dass Hoffnung und Lust auf mehr macht!

8/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Maleficent 2 – Mächte der Finsternis”:

+ 3D
+ Animationen
+ Kostüme/Szenenbild
+ Story
– Längen

Der zweite Teil von Maleficent schließt sich mit neuer Story und in gewohnt gutem 3D an den ersten Teil an. Zum besseren Verständnis ist der erste Teil wohl äußerst hilfreich, wenngleich hier eine neue Geschichte aufgemacht wird. Die Zeichnung von Antihelden und moderner Märchen im Gewand einer wirklich beeindruckenden Animation und detailreicher 3D Darstellung, die es locker mit Avatar aufnehmen kann, sorgt für einabwechslungsreiches Kinoerlebnis, das alle Sinne anspricht. Einziger Wermutstropfen sind die aus dem ersten Teil bekannten schnulzigen Längen, die sich der Film durchaus gönnt. Auch das Friede-Freude-Eierkuchen-Ende zieht sich länger als so mancher Abspann. Dennoch ein gelungenes Werk mit ausreichend Action und tollen Schauspielern.

9/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Downton Abbey”:

+ Dialoge
+ Szenenbild
+ Kostüme
– keine Spannungsspitze

Mit dem Film zur Serie rückt das ausklingende viktorianische Zeitalter den Prunk der vergangenen Tage noch einmal in Szene. Die tollen Kostüme, Szenenbilder und Kulissen beeindrucken. Gleichwohl transportiert der Film auch die Probleme der Zeit im Jahr 1912. Gespickt mit verschiedenen Handlungssträngen und einigen netten Kniffen fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Die guten Dialoge zeichnen den Film aus. Finesse auf allen Ebenen. Die Serie braucht man nicht zwingend gesehen zu haben, wenngleich die Einordnung der Personen natürlich mit Serienwissen leichter gelingt. Ein stimmiges Kostümdrama, dass gefällig und royal über die Leinwand flimmert.

9/10 Punkten

Bonkos’ kurze Filmkritik zu “Once Upon a Time in Hollywood”:

+ gute Filmtechnik
+ Einblick in eine eigene Welt
+/- Tarantino typische Elemente
– kein guter Handlungsstrang

Es ist ein künstlerischer Film, den Quentin Tatantino in seiner ganz eigenen Manier auf die Leinwand zaubert. So künstlerisch, dass er ohne eine gute zusammenhängende Story daher kommt und vielmehr bruchstückhaft einzelne Happen an technisch guter Filmarbeit präsentiert. Wer Technik und Dialoge mag, der wird hier auf seine Kosten kommen. Wer eine zusammenhängende oder gar schöne Story sucht, der wird maßlos enttäuscht. Den Film zerschneiden und die einzelnen Happen auf der Filmschule präsentieren? Wunderbar. Sich alles im Kino ansehen? Anstrengend. Der Zuschauer taucht zwar in eine andere Welt ein, lebt aber ständig mit der Anspannung und Frage: Was soll das? Damit lässt Tarantino viel Raum für Interpretation, für meinen Geschmack deutlich zu viel. Ansonsten sind natürlich Füße, Gewalteskalation und übertriebene Dialoge mit von der Partie!

3/10 Punkten