Der kleine Kalli

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(10) Der kleine Kalli – bewirbt sich

Die Stellenbeschreibung auf der Facebook-Seite „Job gesucht – egal wo“ klang vielversprechend: „Suchen zur Verstarkung unser jungen Team Menschen mit viel Mut, Kraft für einfache Aufgabe. Leichtes Geld geboten. Bis zu 10.000 € in Monat. Fair Lohn und freundlich Kollega. Sie interessiert seien? Melden einfach und schreibe Daten an …“. Klein Kalli schrieb also Daten an die angegebene Adresse und bekam nur Kurze Zeit später jede Menge Werbepost und Arbeitsangebote. Neben einigen kuriosen Stellen als Lockvogel für Partnerbörsen, Handyvertragsvertreter am Hauptbahnhof und Fahrradkurrier, weckte ein Job als „Marketing Consulter“ in der Automobilindustrie sein Interesse. Er rief die angegebene Telefonnummer an und wurde von einem freundlichen Mann mit rumänischen Akzent gebeten, doch gleich morgen im angrenzenden Industriegebiet bei der Firma „Car Export – Inport – An – und Ver – Kauf Rahi Kahn GmbH & Co. KG“ vorbeizuschauen. Der kleine Kalli war fest entschlossen das Marketing dieses – wohl – Familienunternehmens zu revolutionieren. Den Anfang würde er bei dem Firmennamen machen. Doch nach einem kurzen Vorstellungsgespräch in einem kleinen Wohnwagen, der auf einem geschotterten und eingezäunten Firmengelände stand, drückte der Senior Chef Rahi Kahn ihm einen Stapel visitenkartengroßer einlaminierter Werbekärtchen in die Hand. Dazu gab es noch einen Stadtplan, auf dem Straßenzüge rot markiert waren, und die Worte: „An jede Karre, alter! An jede!“ So ausgerüstet klemmte der kleine Kalli zwölf Stunden lang Werbekarten hinter Scheibenwischer, Türgriffe und Dichtungsgummies. Und der Verdienst von 24 Euro war ihm somit sicher. Das letzte Kärtchen aber nahm Kalli mit nach Hause. Dort angekommen betrachtete er die Karte und musste schmunzeln. „Wir kaufen Ihr Auto – Zustand egal – 2.500 € sicher“, stand darauf und Kalli wurde klar, dass wenn er mit dem Auto zum Vorstellungsgespräch gefahren wäre, er deutlich mehr verdient hätte.

(9) Der kleine Kalli – auf Kaffeefahrt

„Holen Sie sich Ihren Gewinn in Höhe von 10.000 € (steuerfrei) ab!“ – Das war es, was der kleine Kalli gebrauchen konnte, eine satte Finanzspritze. Der Hochglanzflyer wies Ihn ganz eindeutig als glücklichen Gewinner aus. Aber das Glück schien im gesamten Mietshaus zugeschlagen zu haben, wie Kalli anhand der Briefkästen erahnen konnte. „Warum eigentlich nicht?“, dachte sich klein Kalli, der sonst nur Städtetouren mit Weihnachtsmarktbesuchen kombinierte. So meldete er sich, wie sich herausstellen sollte, zusammen mit gut 40 Herrschaften fortgeschrittenen Alters zur Gewinnausschüttung mit anschließender Verkaufsveranstaltung an. Die kostenlose Busfahrt war gut organisiert und führte in entlegene Ecken Deutschlands, in die man sonst gar nicht kommt, weil sie auf keiner Landkarte eingezeichnet sind. Nach dreistündiger Busfahrt über Stock und Stein und ohne Rast, unterbrach das in der Reihe hinter Kalli sitzende Rentnerpaar das Gespräch über Krankheitsbilder und Verwandtschaftsverhältnisse abrupt mit den Worten: „So Herbert, ist noch was? Sonst spare ich jetzt Batterien!“. Die Dame hatte wohl realisiert, dass wenn Sie die Preise von Heizdecken und Kuchenmaschinen noch hören will, sie das Hörgerät besser vorrübergehend ausschaltet. Und auch für die Rückfahrt sollte es wohl noch reichen. In einer menschenleeren Gegend wurde die Gruppe in einen Saal geschleust. Es folgte die Gewinnausschüttung. Jeder der Anwesenden erhielt 10.000 € als Spielgeldschein und konnte diesen beim Kauf einer Heizdecke für 1.000 € in einen Rabatt in Höhe von 10 € eintauschen. Zudem gab es, um dem Namen der Veranstaltung gerecht zu werden, kostenlos Kaffee und Kuchen. Kaufzwang bestand nicht, wurde aber von dem leicht aggressiven Veranstalter empfohlen, sofern man auch die Heimreise im Bus und nicht im Taxi antreten wollte. „Was will man mehr?“, dachte sich Kalli und schlug zu. Der Veranstalter ging zu Boden und Kalli war gespannt, wie lange der Krankenwagen wohl benötigen würde.

(8) Der kleine Kalli – macht Urlaub auf dem Bauernhof

Ländliche Idylle, duftende Felder, grüne Wiesen mit glücklichen Kühen, romantische Kornfelder und der Hahnenschrei als lebendiger all morgendlicher Wecker, so sollte der viertägige Wochenendurlaub auf dem Junkesheimer Biohof werden. Ein Traum von bäuerlichem Leben und frischer Landluft. Nach nur zehnstündiger Anreise mit dem SUV – weil mit öffentlichem Najverkehr nicht erreichbar – stand klein Kalli glücklich und erstaunt vor dem Hoftor mit der Aufschrift: „Beauty & Wellness Bio-Fair-Activ-Hof Junkesheimer natura Resort and Spa“. Die Zimmer im Gästehaus waren modern ausgestattet und sehr geräumig. Luxus pur, wo das Auge hinschaute, bot das 50 Zimmer fassende Haus alle Annehmlichkeiten eines Ritz Hotels. Der ehemalige Kuhstall war in eine Event- und Konzerthalle umgebaut worden und bot Platz für öffentliche Großverantsaltungen. Der Saunabereich war im alten Schweinestall zu finden, der laut Prospekt komplett abgerissen und von Grund auf neu aufgebaut wurde. Der kleine Kalli hatte zudem die Möglichkeit sich von geschulten Therapeuten massieren zu lassen oder im Fitnessraum selbst Hand an Gewichte und Geräte anzulegen. Die Familie Junkersheim lebte, wie Kalli erfuhr inzwischen in München und hat ihr ehemaliges Wohnhaus in eine Showküche umbauen lassen, wo man nunmehr mit Sterneköchen auf „kulinarische Weltreise“ gehen kann – Kochkurse natürlich gegen Aufpreis erhältlich. Nach vier Tagen Landleben packte Kalli den hauseigenen Bademantel in seinen Koffer und blickte wehmütig auf die schöne Zeit am Land zurück. „So ein Landleben ist wirklich was feines. Hier ist eben alles noch natürlich familiär und behütet. Gerade in der heutigen Zeit wissen die wenigsten Menschen das einfache Leben am Land zu schätzen – das ist ein Fehler!“ Schreibt Kalli in das Gästebuch und gibt dem Pagen ein angemessenes Trinkgeld.

(7) Der kleine Kalli – und die Wegwerfgesellschaft

Und dann war da noch die Sache mit Frau Schneider von der gegenüberliegenden Straßenseite. Eigentlich war man gut beraten, wenn man mit Frau Schneider nichts zu tun hatte. Doch Kalli, der ohnehin stets offen war für die Belange seiner Mitmenschen, konnte nicht anders. Frau Schneider war Fachverkäuferin für Bürowaren aller Art und arbeitete – und das war das Schlimme – nur halbe Tage. Die andere Hälfte ihrer Lebenszeit wendete sie darauf auf, die Straßenbewohner Recht und Ordnung zu lehren. Und Frau Schneider verstand ihr Handwerk sehr gut. Sieben abgeschleppte notorische Falschparker, fünf Ermahnungen wegen Ruhestörung zur Mittagszeit, drei Radfahrer, die illegaler Weise den Gehweg nutzten, und ein Nachbar, der lediglich vorgab krank zu seien, so Frau Schneiders Bilanz allein in dieser Woche. Und das obwohl der Dienstag gerade erst begonnen hatte. Kallis Hausbewohner nannten Frau Schneider liebevoll „Der Drache von drüben“, womit sie nicht zuletzt auf ihre geografische Herkunft anspielten. So war es also der kleine Kalli, der an diesem Dienstag beschlossen hatte, Frau Schneider einen Gefallen zu tun und die bereits entleerte Mülltonne zurück in deren Hofeinfahrt stellte. Das Donnerwetter ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. „Was glauben Sie eigentlich, wie oft ich schon bei der Müllabfuhr angerufen habe? Schieben Sie die [zeigt auf die Tonne] sofort wieder an die Straße! Da müssen die Müllmänner nochmal kommen.“ Kalli folgte wortlos der Anweisung und schob die leere Tonne zurück an die Straße. Vom Fenster seiner Wohnung aus sah Kalli am nächsten Morgen den stummen Zeugen des Spießbürgertums noch immer mahnend am Straßenrand stehen. Und Kalli tat, was das Duale System von ihm forderte. Er klingelte bei all seinen Hausparteien und fragte, ob er ihren Müll mit hinunter nehmen könne. Das Angebot kam so gut an, dass Frau Schneiders Wertstoffbehälter bis unter den Deckel voll wurde. „Die ganze Sache stinkt zum Himmel“ dachte sich klein Kalli und ging verschmitzt grinsend seiner Wege.

(6) Der kleine Kalli – in der Servicewüste

Das hatte er sich deutlich einfacher vorgestellt, der kleine Kalli. Hieß es in der Werbung noch „Einfache Einrichtung. Auspacken, Anschließen, Loslegen!“, entpuppte sich die Installation der neuen Internetbox als wahre Herausforderung. Und es bestand erst recht keine Hoffnung auf schnelle Hilfe. Die kostenlose Service-Hotline ist natürlich nur aus dem Telefonnetz des Anbieters kostenlos, aber gerade dieses versucht Kalli ja krampfhaft zum Laufen zu bringen. Es hilft alles nichts, klein Kalli muss den abweichenden Mobilfunkpreis von max. 1,99€/Min in Kauf nehmen, was soviel bdeutet wie ganz sicher 1,99€/Min, und die Mitarbeite der Hotline um Rat fragen. Wenigstens ist die Wartemelodie aufregend und abwechslungsreich, sprich sie umfasst zwei Lieder und drei verschiedene Werbetexte. Doch auch nach drei Anrufversuchen und über einer Stunde Wartemusik, sitzt Kalli auf dem Boden der Tatsachen – aber vor allem vor der Telefondose in der kalten Diele. „Servicewüste Deutschland“ möchte Kalli laut und wütend ausrufen, doch dann fällt ihm ein, dass der Begriff „Service“ gar nicht deutsch ist – „Warteschlange“ hingegen schon. Verbittert und enttäuscht macht sich Kalli auf den Weg zu seinen Nachbarn, in der Hoffnung ein W-Lan-Internet-Asyl zu bekommen. Bei den Netzwerken „Geh‘ doch ZUHAUSE“, „Elvis lebt“ oder „FischersFritzBox“ müsste doch eine temporäre Mitbenutzung möglich sein. Und tatsächlich, Frau Schmelz von gegenüber hat Erbarmen und gibt dem kleinen Kalli das Passwort „1schmelzen“ für das W-Lan-Netz „FritzBox 7071-013876“. „Wer hätte das gedacht, da schaufeln sich die Internetanbieter ihr Grab selbst“, denkt es sich Kalli und setzt einen Tweet ab: „DDR 2.0 – #Internetkommunismus im Selbsttest!“

(5) Der kleine Kalli – reine Vorsorgemaßnahme

Hätte er nicht durch Zufall das Faltblatt in der Tageszeitung gesehen, wäre Kalli wahrscheinlich niemals auf die Idee gekommen zum Arzt zu gehen. Doch glücklicherweise war ja „noch nichts zu spät“, wie es in der Infobroschüre hieß. Ein bisschen mulmig war Kalli ja schon. Ab dem zwanzigsten Lebensjahr sollte man jährlich die gynäkologische Untersuchung durchführen lassen, dabei ist er schon über dreißig und die Premiere rangierte unter „besser spät als nie“. Und da saß er nun. Im unklimatisierten Wartezimemr zusammengefercht mit acht Frauen. Männer schienen das Problem – wie so häufig in Gesundheitsfragen – nicht so ernst zu nehmen. Während er im Wartezimmer sitzt und genüsslich die Brigitte anschaute, wie diese in der „Glamour“ laß, betrat eine Frau die Praxis und posaunten lauthals etwas von „Pille vergessen“ und „ich glaub, ich bin schon wieder schwanger“. Begleitet von ihrem knapp zwei Jahre alten Kind und einer knapp begleiteten Freundin, stand die offensichtlich einem sozialen Brennpunkt entstammende korpulente Frau mit Leopardenmusterhose verzweifelt dort. Kalli, der den Parkplatz der Praxis einsehen konnte, war schon lange beim schnellen und schiefen Einparken klar, das es ein Notfall sein musste. Und was war die Reaktion der offensichtlich überforderten Arzthelferin? Sie verwies die drei (oder vier) ins Wartezimmer. Zu Recht war die Patientin sauer und meinte, auch mit Blick auf das vollbesetzte und unklimatisierte Wartezimmer, dass sie draußen im Auto warten werde und jetzt eh erstmal eine Zigarette bräuchte. Dem kleinen Kalli erging es aber auch nicht besser. Als er endlich ins Behandlungszimmer gerufen wurde, bekam er „100 prozentig sichere“ Pillen für Männer, nach deren Verwendung bisher noch kein Mann schwanger wurde, und eine Überweisung zum Urologen. „Na wnigstens erwartet mich dort die Sportbild“ dachte sich klein Kalli und schwor sich, zukünftig nicht mehr so viel auf Zeitungsbeilagen zu geben.

(4) Der kleine Kalli – und Tante Herta

Es klingelt an der Wohnungstür. Kalli zuckt zusammen und schaut sich nochmals vergewissernd, ob auch wirklich alles ordnungsgemäß an seinem vorgesehenen Platz ist, in seinen vier Wänden um. Langsam und respektvoll nähert sich klein Kalli der Tür. Wohlwissend was ihn dahinter erwartet: Tante Herta. Monate zuvor hatte sich die kleine untersetzte und geschwätzige Person angekündigt. Unzählige Telefonate später, war es nun soweit. Der obligatorische jährliche Besuch stand an. Kalli, der in seinem Freundeskreis nur von der „jährlichen Inventur“ sprach, hatte sich für diesen Moment diesmal bestens vorbereitet. Die Wohnung war bestmöglich aufgeräumt und alles andere hatte er in den abschließbaren Wandschrank gepresst. Raumduftspray überdeckte den Zigarettengeruch und ein Bild von Kallis Arbeitskollegin, die sich netterweise für ein Pärchenfotoshooting zur Verfügung gestellt hatte, stand schön gerahmt und gut sichtbar auf dem Wohnzimmerschrank. Die Kaffeemaschine freute sich in der Küche über ihren alljährlichen Einsatz und der Fernseher war bereits zur Aufzeichnung des Fußballländerspiels programmiert. Bevor klein Kalli die Türklinke zum Öffnen nach unten drückte, holte er noch einmal tief Luft und wischte die schwitzige Hand an der Hose ab. Dann öffnete er die Tür. Ein junger Mann stand vor ihm und hielt Kalli ein Blech Streuselkuchen unter die Nase. „Ihre Bestellung, ich bräuchte dann da unten noch eine Unterschrift“ Kalli war erleichtert, wusste aber auch, dass damit das Warten auf die jährliche Inventur lediglich noch etwas andauerte.

(3) Der kleine Kalli – im Einkaufsparadies Kaufland

Es ist Samstag Abend kurz vor 22.00 Uhr und die Mitarbeiter des Kauflandes Ober-Hintertupfingen räumen bereits die Angebote, die sie am Morgen lieblos auf Europaletten vor der Eingangstür platziert hatten, ein. Kalli, der die letzten Erledigungen für Sonntag machen muss (Fertigpizza und 20 Dosen Red Bull), sucht verzweifelt einen freien EKW (Einkaufswagen). Weil er, wie alle anderen Kauflandkunden, nicht bereit ist, einen etwas weiter entfernten EKW-Spender zu benutzen, verharrt Kalli mit einem Einkaufschip, den er immer am Schlüsselbund trägt, um im Falle eines Falles nicht einen Euro parat halten zu müssen, mehrere ärgerliche Minuten vor dem leeren EKW-Parkplatz neben der Eingangstür.
Drinnen im Supermarkt findet sich der kleine Kalli schnell zurecht. Den Weg zur Tiefkühltruhe kennt er im Schlaf und auch der Griff ins Red Bull Regal ist pure Routine. Im Kassenbereich angekommen, sucht sich Kalli die kürzeste Schlange, mit einer vorgelagerten Kasse und fertig ausgebildeter Kassiererin sowie möglichst wenigen Rentnern aus. Mangels Schnellkasse dauert es dennoch bis 22.00 Uhr bis Kalli seine Artikel auf das Förderband legen kann. Mit dem Toplerone-Warentrenner grenzt Kalli seinen Einkauf von dem Salatdressing und Gemüseberg der Kundin vor ihm ab. Doch auch an der perfekten Kasse passieren Dinge, die man als kundiger Kunde, wie Kalli einer ist, nicht vorhersehen kann. Und so lässt der Stornoruf nach einem Manager an Kasse drei nicht lange auf sich warten. Nachdem ein Manager-Kollege das Einräumen der Regale unterbrochen hat, um die Kasse mit der Eingabe des Codes „1234“ zu entsperren, kann es weitergehen. Kann. Denn da wäre noch die etwas ältere Dame, die versucht, ihren Maracuja-Joghurt passend zu bezahlen. Nach mehreren Minuten schüttet die Frau den gesamten Portmonaieinhalt auf den Kassenbereich, der mit dem sinnigen Hinweis „hier keine EC-Karten ablegen“ gekennzeichnet ist mit den Worten „ach, schauen Sie mal selbst“. Letztlich passt es doch nicht und sie muss mit einem 500 Euroschein bezahlen. Als klein Kalli endlich an der Reihe ist, lässt er es sich nicht nehmen, seinen Betrag mit Karte zu bezahlen, um die Nachfrage der Kassiererin „4 Cent klein vielleicht?“ zu vermeiden. „Ihre Geheimzahl und mit Grün bitte bestätigen“, leiert es nur monoton.
Kalli schnappt sich seinen Einkauf, eilt noch schnell zum Bäcker im Eingangsbereich und bestellt, obwohl er fünf Brötchen möchte, geschickter Weise nur vier. Denn Kalli weiß, „eins mehr ist heute im Angebot“. Den Einkauf im Auto verstaut, parkt Kalli noch schnell den EKW im EKW-Spender ganz am anderen Ende des Kauflandparkplatzes und denkt sich: „das nächste Mal gehe ich sonntags zur Tanke!“

(2) Der kleine Kalli – geht Baden

Bei diesen Temperaturen war Kalli richtig froh, eine kühle Dusche zu nehmen. Wenn schon kein Schwimmbadbesuch und Regen von oben, so ließ er sich von dem Grohe „Tropical-Rainfall-Power-Massage-Shower“ Duschkopf, den er tags zuvor im Baumarkt für einen Monatslohn erstanden hatte, mit dem kalkigen und chlordurchsetzten Leitungswasser der örtlichen Stadtwerke berieseln. Normalerweise trällerte klein Kalli dabei seine Lieblingsmärsche (Hoch Heidecksburger und Florentiner Marsch) und dirigierte dazu vergnügt mit dem Wasserabzieher. Normalerweise. Heute jedoch lauschte er dem Mobilteil seines Gigaset-Telefons, welches, obwohl von Siemens, auf dem an die Dusche angrenzenden Fensterbrett stand, da es -laut Gebrauchsanleitung- lediglich spritzwassergeschützt ist und keinesfalls dem Wasserschwall eines Grohe „Tropical-Rainfall-Power-Massage-Shower“ Duschkopfs hätte standhalten können. Das Mobilteil aber schwieg. Eigentlich wollte die Dame von der Stadt, die er, kurz bevor er sich in das Duschvergnügen stürzte, wegen Bauarbeiten vor seinem Haus angerufen hatte, Kalli in Kürze zurückrufen. Aus Kurz wurde Lang und Kalli beschloss, sich zumindest schon einmal einzuseifen. Als er, nachdem er von Kopf bis Fuß seinen Körper in Lauge wusste, wieder das Wasser anstellen wollte, um den Tropical Rainfall zu genießen, schwieg der Wasserhahn. Und wie abgesprochen klingelte das Mobilteil des Telefons und verlangte danach, mit eingeseiften Händen von der Fensterbank gegriffen zu werden. Obwohl Kalli nicht ganz klar war, ob Seifenlauge auf der Höhrertaste nun schlimmer ist als Spritzwasser, entschied er sich das Gespräch entgegenzunehmen. Am Ende der Leitung ertönte eine krächzende Stimme und schrie in seine frisch eingeschäumte Ohrmuschel: „Ich muss Ihnen mitteilen, dass wir im Rahmen der Bauarbeiten vor Ihrem Haus das Wasser für die nächsten Stunden abstellen mussten. Ich bitte Sie, Ihre Gewohnheiten bezüglich Duschen und Toilettengang etc. daran anzupassen. Danke!“ Kalli bedankte sich höflich für den netten Hinweis, zog seine Badehose an und machte sich auf den Weg zum städtischen Schwimmbad.

(1) Der kleine Kalli – und Frau Müller von der Drei

Und dann hatte der kleine Kalli wirklich alle Hände voll zu tun; Das Eis lief die Waffel runter und Kalli kam kaum mit dem Schlecken nach. Zu allem Überfluss musste er die schwere Einkaufstasche in den 25. Stock des Wohnhauses schleppen. Der Aufzug funktionierte mal wieder nicht und selbst wenn er irgendwann wieder funktionieren sollte, so ist das verschmierte Schokomilcheis auf der Aufzugruftaste sicher längst getrocknet. Und wenn nicht, gibt es noch Frau Müller aus der Drei, die jeden Sonntag Vormittag das Treppenhaus putzt. Im 25. Stockwerk mit waschmaschinenreifem T-Shirt vor der Wohnungstür angekommen, kramt Kalli den Schlüssel aus seiner Hosentasche hervor. „Prima“, denkt sich Kalli, „eine Hand ist schon von der Klebemasse befreit“. Und wie er noch in Gedanken ist, dreht klein Kalli den Schlüssel im Schloss. Die Eistüte macht die Bewegung automatisch mit und die Eiskugel verneigt sich respektvoll vor der Wohnung. Die Erdanziehungskraft erledigt den Rest. Kalli bringt den Einkauf in die Küche und entnimmt dem Besteckkasten einen sauberen Teelöffel. Genüsslich schlendert Kalli zur Wohnungstür und ist in Gedanken schon wieder bei Frau Müller, die jeden Sonntag das Treppenhaus so gründlich putzt.