Der kleine Kalli

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(23) Der kleine Kalli – Ruhe in Frieden

Wer Kalli kennt, der weiß, dass er großen Wert auf eine gute Nachbarschaft legt. Doch seit in der Wohnung über ihm die Studentin Johanna eingezogen ist, ist es mit der Nachtruhe vorbei. Johanna scheint so ganz eigene Gewohnheiten zu pflegen, die denen Kallis vollkommen entgegenstehen. Um ca. 23 Uhr beginnt die Waschmaschine ihren Dienst aufzunehmen, um 1 Uhr morgens wird Staub gesaugt und um 4 Uhr in der Früh hält sich die Dame mit Sprungseilübungen fit. An Schlaf ist für Kalli seit Wochen nicht zu denken. Doch was tun? Der kleine Kalli ist einfach nicht der Typ dafür, an die Tür zu klopfen und auf den Putz zu hauen. Seit ein paar Tagen verfolgt er deshalb einen Plan: Er kopiert die Verhaltensweise von Johanna. Hört sie laut Musik, so dreht auch Kalli voll auf. Hüpft Sie, so hüpft auch er. Und es dauerte keine drei Tage, da stand Frau Müller, die die Wohnung unter Kalli bewohnt, nachts um 3 Uhr vor seiner Wohnung. “Mensch Kalli,” giftete die rüstige Rentnerin ihn an, “wollen Sie das Haus abreißen? Das ist ja ein Krach!” “Da haben Sie Recht, Frau Müller,” entgegnete der kleine Kalli “ich kann seit Tagen kein Auge mehr zumachen. Aber das man die Dame über mir selbst bei Ihnen hört, das ist schon erstaunlich.” “Über Ihnen?” “Ja. Diese neu eingezogene Studentin, die scheint nachts zu leben.” Frau Müller entschuldigte sich bei Kalli und stampfte schnaufend die Treppenstufen hoch zu Johanna. Die räumte zugleich ein, dass die beschriebenen Geräusche aus ihrer Wohnung kommen müssen und gelobte Besserung. “Es gibt doch nicht’s über einer guten Nachbarschaft” dachte sich Kalli, “man darf sich nur nicht unbeliebt machen.”

(22) Der kleine Kalli – in der FBI-Kontrolle

Hätte Silvia ihn nicht gefragt, hätte sich die Frage gar nicht gestellt. Als Kind war alles viel einfacher, da hieß es Cowboy oder Indianer. Da war die Welt noch eingeteilt in Gut und Böse. Doch heute ist alles in Graustufen gehalten. Und so schwebt auch über der Wahl des passenden Faschingkostüms ein großes graues Fragezeichen. Silvia hat Karten für die große Prunksitzung besorgt und Kalli steht nun in der Faschingabteilung des örtlichen Modegeschäfts und schaut sich Bauarbeiter-, Polizisten- und Rockerkostüme an. Dabei halten die meisten Nähte der völlig überteuerten Chinawaren nicht einmal den kritischen Blicken stand. Kalli erinnert sich, dass er zuhause noch ein Scheichkostüm liegen hat, dass er einst bei einem Marokkourlaub von Achmed, seines Zeichens Textilienhändler, Großvisionär, Touristenguide und Freund, zu einem, wie ihm Achmed versicherte Freundschaftspreis erstanden hatte. Die Frage der Verkleidung war damit geklärt. Kalli schlüpfte am Abend der Prunksitzung in das arabische Outfit, band sich den Turban um den Kopf und machte sich zusammen mit Silvia in Richtung Frohsinn. Doch das Lachen blieb dem kleinen Kalli bereits im Foyer im Halse stecken. Als er seine Jacke an der Garderobe abgegeben hatte und bedächtig zur Einlasskontrolle schritt, überkam ihn ein mulmiges Gefühl. Er näherte sich der Ticketkontrolle in Turban, arabischer Kleidung und Vollbart im Gesicht. Dies Karten überprüften dieses Jahr treffender Weise als FBI-Beamte verkleidete (?) Männer, die ansonsten wohl im örtlichen Fitnessstudio leben und den neuen Fusion-Head-Body-Rasierer eines namhaften Rasiererherstellers für lieb gewonnen hatten. Mit einem Gequälten “Helau” quetschte sich der kleine Kalli an den vollausgerüsteten FBI-Männern vorbei und war heilfroh, als er im Sitzungssaal noch weitere Scheichs erblickte. Dann setzte sich der kleine Kalli und bestellte bei der indischen Bedienung ein gepflegtes Weizenbier. Und während der kleine Kalli-Scheich so genüsslich an seinem Bier schlürfte, da dachte er bei sich, dass man sich viel zu selten in die Rolle andere Menschen schlüpft.

(21) Der kleine Kalli – geschenkt

“Wäre sie doch nur 75 geworden”, denkt sich der kleine Kalli, während er verzweifelt vor dem Geschenkeregal in der Buchhandlungskette steht. “Dann würde sie ein Pfund Kaffee bekommen und die Sache wäre geritzt.” So wühlt er sich durch die Belletristik und Geschenkeecke auf der Suche nach etwas “Passendem” und “Ausgefallenem”. Dabei kennt er Sybille gar nicht näher. Sie ist die neue Freundin von Kai, der gelegentlich etwas mit Karin, seiner besten Freundin unternimmt. Doch Sybille hat zu ihrem 20. Geburtstag nicht nur Kai und Karin, sondern eben auch ihn, Kalli, eingeladen. Sicher könnte er bei Thomas, Jochen und Peter mitschenken. Doch die haben sich für ein Trinkbrettspiel entschieden und dieses bereits gekauft. Kein Platz mehr also für Kalli auf der Unterschriftenkarte, die am Geburtstag ihre Kreise zieht, bevor sie feierlich übergeben wird. Zwischen “Frau – Deutsch, Deutsch – Frau”, “Eine Frau ein Buch”, “100 lustige Sprüche für XY” und “99 Dinge, die eine Frau braucht” muss es doch irgendetwas geben, das er Sybille überreichen kann. Nach stundenlangem Schmökern und Suchen hat Kalli endlich eine Idee: Ein Hörbuch – Buch. Wenn Kalli eines von Sybille weiß, dann, dass sie für ihr Leben gerne Hörbücher hört. Da der kleine Kalli seinerseits Bücher niemals in irgendeiner digitalen Form kaufen würde, schon aus Gründen des Klimasch… ähm, naja jedenfalls würde er sie niemals kaufen. Es müsste sich doch unter diesen vielen möchtegern lustigen Büchern ein Buch über Hörbücher finden lassen. Fehlanzeige. Auch der Computer der Verkäuferin, die Kalli um Hilfe gerufen hat, weiß von einem solchen Werk nichts. “Da sieht man’s mal wieder”, denkt sich Kalli “über die wirklich wichtigen Dinge im Leben schreibt mal wieder niemand etwas”. Deprimiert verlässt der kleine Kalli die Buchhandlung und betritt das Kaffeehaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite: “Ein Pfund Kaffee bitte.”

(20) Der kleine Kalli – und die Liebe

Sie war schlank und groß gebaut. Viel größer als Kalli. Ihre schwarzen Haare wehten im Wind während sie die Straße auf den kleinen Kalli freudestrahlend zukam. Es war Kallis große Liebe. Schon zu Schulzeiten schwärmte er für Sarah, doch sie wollte nichts von Kalli wissen. Kalli bewunderte Sarah seit der ersten Klasse. Und das ist nunmehr über 40 Jahre her. “Sie ist alt geworden”, denkt sich Kalli. Doch er lässt sich das nicht anmerken. Die ganze Schule wusste damals von Kallis großer Liebe. Und gerade das machte Sarah damals zu schaffen. Verständlich, immerhin war sie damals seine Klassenlehrerin. Als Sarah -oder Frau Schmitt, wie sie damals für Kalli hieß- ihn auf der Straße begrüßte wirkte sie noch viel freundlicher als zu Schulzeiten. Der strenge Blick ist einem glasigen gewichen und der Rohrstock einem Gehstock. Außerdem wich nach der Ausschulung das Sie dem Du. “Hallo Kalli, na wie geht es dir?” platzte es ungehalten aus ihr heraus. Der übliche Smalltalk und Kalli verabschiedete sich mit der Erinnerung an all die unereichbaren Frauen in seinem Leben.
Wieder Zuhause angekommen, bemerkte seine Mutter, dass etwas mit ihm nicht stimmte. “Mensch Kalli, was ist denn los mit dir? Wieder die Mädchen? Du musst wissen, dass die alle falsch sind. Lass dich bloß nicht beeindrucken, die kochen nur mit Wasser und selbst das können die jungen Dinger heutzutage nicht einmal. Ich will dir mal was sagen: …” so begannen die Moralpredigten immer. Kalli schaltete auf Durchzug und verkroch sich in Gedanken in seinem Photoalbum (welches er aus nostalgischen Gründen noch mit “Ph” beschriftet hatte). Dort blätterte er in den vergangenen Zeiten, als Leggins noch modern waren und man Birkenstocksandalen trug – obwohl. Alles ging vorüber und kam wieder. Und so war es auch mit Kallis großer Liebe – auch wenn es nur zum Smalltalk war.

(19) Der kleine Kalli – als Wolf im Schafspelz

Hier gilt das Recht des Stärkeren. Wo Pferde um die Wette rennen, wo früher Enten Käfer jagten, wo Männer sich im Kampfe messen, da kann Kalli nach der Freiheit greifen. Theoretisch jedenfalls. Die Autobahn ist der Kriegsschauplatz des 21. Jahrhunderts und der kleine Kalli ist mit seinem Ford Ka zweifelsfrei unterbewaffnet. Gerne denkt er an seine Kindheit zurück, als sein grünes Bobby-Car den ersten Anflug von Mobilität versprühte. Erst später wurde ihm bewusst, dass Bobby-Cars eine perfide Erfindung der Kinderschuhindustrie sind. Doch das ist in dem aktuellen Zweikampf mit dem 3er BMW unwichtig. Kalli spielt seine Vorteile (bergab, Rückenwind, 15 Waschbetonplatten im Kofferraum) geschickt auf der linken Spur aus. Der BMW hält sich aber tapfer und lässt sich auch von der pechschwarzen Abgaswolke nicht irritieren. Als Kallis Drehzahlmesser bei Tempo 228 aus dem Roten Bereich verschwindet, scheint beim BMW der linke Blinker kaputt gegangen zu sein. Ein weiterer Fahrspurwechsel scheidet jedenfalls aufgrund der Mittelleitplanke aus. Doch der nächste Berg kommt so sicher wie die Benzinpreiserhöhung zum Ferienbeginn und bergauf, das weiß auch Kalli, hat er er mit den Waschbetonplatten kaum Chancen gegen den PS-Boliden. Kalli zieht nach rechts und gibt die Bahn frei für seinen Verfolger. Dieser senkt erleichtert den rechten Fuß ab und zieht genervt und wild gestikulierend an Kalli vorbei, der seine Bildzeitung zusammenfaltet und seine Brotzeit einpackt, den Sitz in eine aufrechte Position bringt und genüsslich die Verfolgung aufnimmt. “Es ist schon recht männliches Imponiergehabe,…” denkt sich der kleine Kalli als er am BMW vorbeizieht und seine 450 PS aufheulen lässt.

(18) Der kleine Kalli – auf dem Fußballplatz

Jeden Sonntag nach dem Gottesdienst treffen sich Kallis Freunde auf dem Fußballplatz. Genauer gesagt treffen sich am Platz die Frauen von Kallis Freunden, die Freunde selbst stehen auf dem Rasen. Und eigentlich dient die Aussage “nach dem Gottesdienst” lediglich der zeitlichen Beschreibung und entspricht weniger den tatsächlichen Abläufen. Der kleine Kalli, der sonst mit Fußball eher wenig zu tun hat, nutzt seinen freien Sonntag, um einmal in die Sportplatz-Rasen-Welt einzutauchen. Da jagen sie nun ihrem Hobby, dem Ball hinterher und schleppen sich keuchend und rotzend über das Spielfeld. Umjubelt von den Fans, beäugt von den Spielerfrauen und angebrüllt von Trainern und Teamkollegen. Der kleine Kalli denkt sich noch “schade, dass mir bei der Arbeit niemand zujubelt” und da ist es auch schon geschehen. Knochenbrecher, Spielunterbrechung. Für Lothar endet der Tag wohl in der Notaufnahme. “Nichts passiert, weiter geht’s!” schallt es über das Spielfeld, als Lothar endlich vom Rasen getragen ist. “Harte Jungs” denkt sich Kalli und beißt genüsslich in das obligatorische Sportplatzwürtschen, was unter dem wegblickenden Auge des Gesundheitsamtes in 32 Jahre, so lange gibt es den Traditionsverein SV Laufen nämlich schon, altem Fett ausgebraten wurde. Abpfiff. Die Partie endet … , das weiß leider niemand so genau, letztlich auch egal, da der SV Laufen ohnehin schon sicher in die Unter-Ober-Bezirks-Kreisauswahl-Landesliga-Nord-Süd abgestiegen ist. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und nach diesem Motto versammelt man sich in der am Sportplatz befindlichen Kneipe, die als “Vereinsheim” getarnt ist und deren Hauptaufgabe darin besteht, für das leibliche Wohl der Spieler zu sorgen. Kurzum: Die einzige Aufgabe des Platzwartes besteht darin, sicherzustellen, dass stets genügend Bier vorhanden ist. Neben allerlei Fachsimpelei wird noch das Sonntag-Abend-Spiel im Fernsehen geschaut und am Montag heißt es dann für zahlreiche potentielle Bundestrainer wieder Anpfiff am Arbeitsplatz. Der kleine Kalli winkt beim Weggehen noch einmal den vielen Kindern zu, die sich in der “Sportplatzkita” tummeln, dem kleinen Spielplatz am Sportplatz, dann geht er heim und fällt, müde vom vielen Sport schauen, ins Bett.

(17) Der kleine Kalli – und die Blumen für Tante Hildtraud

Tante Hildtraud ist eigentlich gar nicht Kallis Fall. Als kleines Kind musste sich Kalli schon lästiges Backenkneifen und Küssen gefallen lassen. Doch das Schlimmste war zweifelsohne das mit Spucke beschmierte Stofftaschentuch, das Hildi -wie sie klein Kalli nennen musste- aus dem linken Ärmel Ihrer Kittelschürze zog, um Kallis Mund von Speiseresten zu befreien. Doch all die Erinnerungen an seine Kindheit waren nichts im Vergleich zu den heutigen Besuchen, die obligatorisch einmal im Jahr stattfanden. Man tauschte Billigblumen vom Discounter, die bereits das Welken begonnen hatten, gegen Billigpralinen ebenfalls vom Dicounter, die das Haltbarkeitsdatum bereits mehrere Jahre überschritten hatten und als Wanderpokal von Geburtstag zu Geburtstag weitergereicht wurden. Nachdem die Förmlichkeiten erledigt waren, erzählte Tante Hildtraud von Ihren unzähligen Krankheiten und Leiden und der kleine Kalli wurde zum wiederholten Male auf seine Laster hingewiesen. So sollte es auch dieses Jahr von Statten gehen. Kalli kaufte noch schnell die Blumen beim Discounter, diesmal war er leider etwas zu spät dran, das begrenzte Sortiment war bereits komplett verblüht, aber ganz ohne Grünzeug in der Hand wollte er auch nicht dastehen und griff in der Frischetheke beim Blumenkohl und Schnittlauch zu. Während der Autofahrt ging Kalli wie jeses Jahr einiges durch den Kopf: “Würde Hildi wieder von seinen Kinderstreichen erzählen? Würde sie ihm wieder das einzige Familienalbum zeigen und von den Nachkriegsjahren berichten? Würde sie wieder beleidigt sein, wenn er die ekelhaften Bonbons ablehnt?” Die Antwort kannte Kalli. Schließlich machte er sich auch jedes Jahr dieselben Gedanken. Schließlich angekommen, klingelte er bei “Hildtraud Wiebke”. Es öffnete eine junge Frau. Kalli schaute verstört durch das Bündel Blumenkohl und Schnittlauch und fragte nach Hildtraud. Wie sich herausstellte, war Hildi kurz vor Kallis Ankunft, beim Versuch eine Pralinenschachtel vom Wohnzimmerschrank zu holen, gestürzt und musste nunmehr von der jungen Pflegerin, welche Kalli empfing, versorgt werden. Kalli überreichte der jungen Dame sein Bündel Grünzeug und war froh, dass Hildi nichts Ernstes passiert war und der Besuch letztlich doch anders verlief als befürchtet.

(16) Der kleine Kalli – und die Flaschen

Jeden Freitag Nachmittag um 17 Uhr trifft sich der kleine Kalli mit vielen Geschäftsleuten, die ihr Wochenende einleuten, im Supermarkt vor dem Leergutautomaten. Mit gelben IKEA Taschen, Einkaufkörben und CHANEL-Papiertaschen bewaffnet stehen die casual gekleideten Herren, die Supermärkte sonst nur von Erzählungen ihrer Gattinnen kennen, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur vor dem Einwurfschlund. Angeführt wird die Polognaise von einem Rentner, der sich mit Leergutsammeln seine karge Rente aufbessert. Mit Discountertüten und Gelben Säcken steht er mit knapp 50 Flaschen vor dem Automaten und füttert diesen gemächlich und mit zitternden Händen. Kalli fällt auf, dass er noch nicht lange im Flaschensammelgeschäft zu sein scheint, da er Flaschen einwirft, die pfandfrei sind und zudem des öfteren das Leergut mit dem Deckel zuerst einlegt. Fehler, die einem erfahrenen Leergutsammler sicher nicht passieren würden. Die Geschäftsmänner beäugen die langwierige Prozedur mit nervösen und skeptischen Blicken. Sie grummeln vor sich hin, scharren mit den Füßen und tippen genervt auf ihren Smartphones herum. Das Wochenende muss wohl gerade endlos weit entfernt sein für diese Herren als der kleine Kalli sich am Ende der Schlange platziert und dem Treiben zusieht. Es dauert nicht lange, da fallen die ersten Kommentare. “Man solle sich doch beeilen”, “andere hätten auch noch was vor”, “in der Zeit hat ja eine alte Oma eine ganze Inseln bevölkert” und vieles mehr ist zu hören. Als der Rentner dabei ist, seine letzte Leergutflasche in die Öffnung zu schieben, da packt es den kleinen Kalli: Er geht freudestrahlend an den genervten Herren vorbei und schenkt dem Leergutaufstocker seinen gesamten Pfandflaschenvorrat. Der Rentner strahlt über beide Ohren und Kalli, der nunmehr verstanden hat, wie soziale Marktwirtschaft funktioniert, wünscht allen: “Einen guten Start ins Wochenende!”

(15) Der kleine Kalli – im Schlagerolymp

Wer auch immer für die Programmgestaltung im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen zuständig ist, er muss eng befreundet sein mit Kallis Großmutter ‘Lisbeth. Elisabeth, wie die 97-Jährige ‘Lisbeth offiziell heißt, spult seit ihrem 95-jährigen Jubiläum Schlagersendungen nunmehr auf einem 55 Zoll großen Flachbildschirmfernseher ab. Das ganze natürlich in Super HD, sodass man jede einzelne Hautpore von Andrea Berg, Florian Silbereisen und Co genaustens sehen kann. Für dennoch auftretende Unschärfen hält das Gerät eine Lupenfunktion bereit. Nun ist der kleine Kalli zwar gerne bei Oma ‘Lisbeth, die für gemeinsame Schlagerabende meist ein üppiges Schmerzensgeld zahlt, jedoch macht sich bei Kalli in letzter Zeit Unmut breit. Seine Jugendstars wie bspw. Gottschalk verschwinden mehr und mehr von der Bildfläche und werden durch neue, wenngleich nicht bessere Entertainer abgelöst. Erst kürzlich musste Kalli sich der Herausforderung stellen und eine gesamte Show “Wetten, dass…?” anschauen. Kalli überstand die Strapazen nur mit den leckeren Schnappspralinen von seiner Oma. ‘Listbeth aber schien der ganze Rummel um den Showneuling kalt zu lassen. Zum Ende der Sendung schlatete ‘Lisbeth mit den Worten ab:”Ach, der Elstner hat das wieder ganz prima gemacht. Dass der sich das in seinem Alter noch antut…”

(14) Der kleine Kalli – will endlich Schlittenfahren

Schon Kallis Mutter sagte immer, dass man mit ihr nicht Schlittenfahren könne. Und das stimmte auch. Kaum vielen die ersten Flocken und puderten den Garagenhof der Plattenbausiedlung in dezentem Weiß, schon verkroch sich Kallis Mutter hinter dem Ofen und betete, dass die Eisheiligen bald das Ende der „weißen Pest“, wie sie das Schneetreiben liebevoll nannte, einleiten. Doch heute muss sich der kleine Kalli nicht mehr dem Diktat seiner Mutter beugen, sondern vielmehr dem des Petrus. Petrus scheint ohnehin die Miesmuschel unter den Heiligen zu sein und zu allem Überfluss mit Kallis Vorgesetzten unter einer Decke zu stecken. Wie sonst kam dieser Wetterheilige an Kallis Urlaubskalender? Der Winter sollte dieses Jahr also ausfallen, das Frühjahr dafür durchwachsen werden und der Sommer nass. Letzte Hoffnung liegt auf dem Herbst, wobei sich Kalli Zeit seines Lebens nicht an einen goldenen Bilderbuchherbst erinnern kann, wie er gerne in der Medikamentenvorschau zum Wetterbericht vorgegaukelt wird. Seit Kachelmann nicht mehr für das Wetter in Deutschland zuständig ist, scheint es ohnehin bergab zu gehen. Strömungsfilme, Allergikerwetter, Biowetter, Mondphasenvorschau und Jahrhundertunwetterwarnungen haben längst die Frage „Jacke – ja / nein?!“ abgelöst. Und überhaupt das ganze Gerede von Klimawandel interessiert den kleinen Kalli nicht die Bohne. Ozonlöcher hat er noch nicht gesehen und vor Mittelmeerklima in Deutschland hat er auch keine Angst. Mit diesen Gedanken lädt er seine Freundin Klara auf einen großen Eisbecher ein in der Stadt ein und will bei dieser Gelegenheit mit ihr die Kostümideen für Fasching besprechen, denn das Bärenkostüm von letztem Jahr ist dem kleinen Kalli dann doch eine Nummer zu heiß.

(13) Der kleine Kalli – im Zuge der Reservierungskultur

Einen Platz im Zug zu haben, ist auf längeren Reisen zwar schön, wird mit zunehmendem Alter aber unerlässlich. So hat sich auch der kleine Kalli die letzten Male dazu verleiten lassen, in den teilweise etwas volleren ICE (Abkürzung für Inter City Express, wobei mit City hier auch Städte jenseits der Wetterkarte gemeint sind) zu reservieren. Früher war das ein teurer Spaß – heute ist es nur noch teuer. Nach der letzten Preiserhöhung muss der kleine Kalli fast seine ganzen Ersparnisse opfern, um Rentnern und schwangeren Frauen die Sitzplätze wegnehmen zu dürfen. 4,50 € – “komfortabel” nennt die Bahn das, Kalli sagt gerne auch einfach nur “unverschämt” dazu. Immerhin kostet sein Ticket für die halbe Stunde ICE-Reise “nur” 16 €, mit Bahncard 50 versteht sich. Aber die Bahn wäre nicht die Bahn, wenn sie nicht trotz Preiserhöhungen den nötigen Spaßfaktor erhalten würde. So geschah es, dass der kleine Kalli von Frankfurt nach München reisen musste und leider in aller Hektik vergessen hatte, sich eine Reservierung hinzuzubuchen. Nun war beim Einstieg der Kampf um freie bzw. durch Rucksäcke belegte Plätze eröffnet. Dank der Günstigpreispolitik, die mit einer Überbuchung des Zuges zu 400% einhergeht (3 Stehplätze auf 1 Sitzplatz bei gleichem Fahrkartenpreis für alle Beteiligten), war nur noch ein einziger Platz frei. Kalli stürmte los, doch leider schnappte ihm eine Hochschwangere Dame den für Schwangere, Herzleidende und andere Risikomenschen ungünstige, entgegen der Fahrtrichtung liegende Platz vor der Nase weg. Die Frau grinste nur hämisch packte ein Nutellabrot mit Zwiebeln aus. Kalli blieb daneben stehen, zückte sein Smartphone, öffnete genügsam die BahnAPP und reservierte “Sitzplatzgenau” ab Würzburg den Platz der unhöflichen Dame. Kalli beugte sich zu ihr herunter und sagte reserviert: “Machen Sie es sich nicht zu bequem, ab Würzburg habe ich den Platz reserviert.”

(12) Der kleine Kalli – auf dem Weihnachtsmarkt

Mandelduft und Tannenzweige, Krippenfiguren und Räuchermännchen, all die vielen schönen vorweihnachtlichen Dinge sind es, die auch den kleinen Kalli auf den mit vielen Lichtern geschmückten Weihnachtsmarkt ziehen. Ein Weihnachtsmarkt der genau genommen in der Adventszeit stattfindet und gerne auch schon ein paar Tage vor dem Advent eröffnet. Der kleine Kalli freut sich besonders auf eine schöne heiße Schokolade. Doch bis dahin heißt es Ellenbogen ausfahren und möglichst vielen Menschen ausweichen. Was bei der Führerscheinprüfung Minuspunkte gibt, gehört am Weihnachtsmarkt zum guten Ton. Und so weist auch Kalli die Bummelanten zurecht. Nachdem die typischen Weihnachtsbuden mit Tupperware, Besenstilen und Reinigungswundermitteln passiert waren und sich schon weihnachtliche Stimmung breit machte, hielt der kleine Kalli kurz inne, um seine Ohren dem Kinderchor des städtischen Kindergartens (Neudeutsch Kita) für ein kleines Ständchen zu leihen. Es war der 26. November und in dieser Saison das erste Mal, dass Kalli Rolf von und zu Kowski mit seiner Weihnachtsschweinerei hören durfte. Und dann wurde es laut. Kalli näherte sich dem Rudolph-Dreieck, wie er die Komposition aus Glühwein- und Feuerzangenbowleständen liebevoll nannte. Die vielen Menschen mit ihren roten Nasen und ihrer ausgelassenen Weihnachtslaune ließen dem kleinen Kalli keine Chance auch nur einen Blick auf den Tresen werfen zu können. Nachdem Kalli eine Stunde lang versucht hatte, sich durch die Masse der Betrunkenen zu kämpfen und dabei zum 100ten Male das FC Bayern Stern des Südens Weihnachtsfußballied hörte, gab er enttäuscht auf und lief nach Hause, wo er mit Kinderpunsch aus dem örtlichen Discounter den Abend ausklingen ließ.