Der kleine Kalli

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(34) Der kleine Kalli – und das Bauordnungsrecht

Eigentlich hätten der kleine Kalli und Willibald eine Baugenehmigung benötigt. Andererseits war das Bauwerk gar nicht fest mit dem Boden, sondern vielmehr mit dem Baum verbunden. Doch das überzeugte die Baubehörde nicht. Das Baumhaus der beiden glich einer Baumvilla und stand einem herklömmlichen Haus in nichts nach. Isolierfenster, Türen mit massiven Eisenbeschlägen, Dachziegel, Fußbodenheizung und Balkon; das Bauwerk ließ keine Wünsche offen. Selbst Spülmaschine und Wäschetrockner waren vorhanden. Zwar hatten sich die Kalli und Willi wirklich mühe gegeben, das Baumhaus mit natürlichen Baumaterialien und Spanplatten bestmöglich an die bauliche Umgebung im bis dahin unbebauten Außenbereich anzupassen, doch leider war der Mann von der unteren Baubehörde anderer Ansicht. So war der Toilettenabfluss zwar durch den darunter fließenden Bach gewährleistet, doch angeblich waren die Umweltstandards nicht eingehalten worden. Kalli verstand die Welt nicht mehr, das Baumhaus verfügte über Wärmedämmung, Isolierung und war weitgehend autark und sollte aus Naturschutzgründen weichen?! Das konnte nicht sein.  Der kleine Kalli und Willibald hatten ihren Zweitwohnsitz in den Wipfeln schon aufgegeben, als sich Biber an dem Bach ansiedelten und eindrucksvoll Kallis These stützten: Nicht fest mit dem Boden verbunden.

(33) Der kleine Kalli – hat sich verwählt

Sonntag ist Wahltag. Der kleine Kalli ist schon ganz aufgeregt. Zum ersten Mal in seinem Leben darf er wählen. Seine Mutter hat ihm zwei Hemden hingelegt und Kalli darf sich zwischen dem roten und dem gelbem Hemd entscheiden. Immerhin ist heute auch Gemeindewahl und Kalli darf mit seinem Vater ins Wahllokal. So viele Wahlen an einem Tag überfordern den kleinen Mann dann doch etwas. Mit gelbem Hemd geht es zur Stimmabgabe. Im Wahlraum 303 angekommen, werden Kalli und sein Vater von den Wahlhelfern freundlich begrüßt. Aus einer Wahlkabine ertönt die Aufforderung:“Sag mal einer Stopp!“ Ein anderer Mann stellt fest, dass heute einer der wenigen Tage im Jahr ist, an dem die Nachrichten die Bürger mit dem dämlichen Spruch „wenn Sonntag Wahl wäre“ verschonen. Kallis Vater erhält gegen Angabe seiner Anschrift, Wählernummer und Schuhgröße die Wahlunterlagen und zieht sich in eine der Kabinen zurück. Mit gespitztem Bleistift kreuzt er wild drauf los. Kalli ist begeistert von so vielen Kreuzen und fängt lauthals an zu singen. Sein Vater wirft ihm einen ernsten Blick zu und mahnt den kleinen Sänger sich zu benehmen. Und dann ist es passiert. Ein Kreuz zu viel. Kallis Vater ist außer sich. „Scheiße, jetzt habe ich mich verwählt!“ Ein Wahlhelfer entgegnet witzelnd: „Keine Sorge, das passiert den meisten, nur den wenigsten fällt es auch auf.“ Nur gut, dass die Kreuze nur mit Bleistift gesetzt waren, so konnte der Wahlfehler schnell mit dem im Wahlraum bereit liegenden Radiergummi behoben werden. Nach der Wahl geht es in die Wirtschaft. Kalli bekommt eine Portion Pommes spendiert und kleckert prompt sein gelbes Hemd mit Ketchup voll. Und sein Vater stellt grinsend fest: „Na Kalli, da hast du dich wohl auch verwählt.“

(32) Der kleine Kalli – als Heiliger

Es ist bereits Februar und der kleine Kalli geht mit mehreren Einkausfüten bewaffnet in Richtung Kirche. Früher wurde das Dreikönigsfest noch am 6. Januar gefeiert, inzwischen hat man die Sammelaktion auf einen Sonntag im Februar verschoben, da sich bis dahin die  Geldbeutel vom Weihnachtsgeschäft erholt haben und die meisten Rechnungen beglichen sind. In der Sakristei wird der kleine Kalli zusammen mit zahlreichen anderen Kindern in Könige verwandelt. Neuerdings gibt es auch Königinnen und die Kinder kommen nicht nur aus dem Abendland, sondern auch aus den Neuen Bundesländern. Wichtig ist Kalli vor allem, nicht den Kürzeren beim Schminkknobeln zu ziehen. Die Kinder sind danach entweder „angepisst“ oder ärgern sich „schwarz“. Kalli hat dieses Mal Glück und darf den Stern tragen. Da er nicht der schnellste ist, folgt der Stern dieses Jahr eben den Königen. Zu allem Überfluss gibt es an der ersten Haustür Texthänger. Und so stellen sich die anderen der älteren Dame mit Kasper, Mehlohr und Waldemar vor. Die Dame interessiert sich ohnehin mehr für die Familienzugehörigkeit der Kinder und entlohnt die Auskünfte durch das Befüllen der mitgeführten Spardose. Bei der Verabschiedung fällt dem kleinen Kalli auf, dass das Schlitzohr Mehlohr als waschechter Bayernfan „B+M+W“ über die Türe geschrieben hat. Und so steht für Kalli fest: Nächstes Jahr lass ich mich freiwillig anmalen, um unerkannt zu bleiben.

(31) Der kleine Kalli – bekommt keine Extrawurst

Seit der kleine Kalli erfahren hat, dass dem Käufer per Gesetz ein Widerrufsrecht nur bei Fernabsatzverträgen zusteht, wenn dieser Verbraucher ist, gibt der kleine Kalli sein gesamtes Taschengeld (4 € im Monat) nur noch online aus. Dabei übersteigen die Versandkosten leider das Taschengeldbudget so sehr, dass Kalli sich für 2 € im Monat für Amazon Prime anmelden musste. Immerhin kommen Lutscher und Sammelkarten nun oftmals schon am nächsten Tag bei ihm Zuhause an. Und sollte es doch einmal Probleme geben, hilft der Kundendienst. Neuerdings kommt das Kaugummi, welches Kallis Freunde umständlich am Kiosk nebenan kaufen, im praktischen und günstigen Sparabo zu ihm. Kallis Eltern waren begeistert, dass Kalli nun viel mehr Überblick über seine Finanzen hat, die er mit der Taschengeldapp verwaltet und haben auch sofort eingesehen, dass das teuere Tablet eine notwendige Voraussetzung ist, um am digitalen Einkaufserlebnis überhaupt teilnehmen zu können. Nur eine Sache stört den kleinen Kalli am Einkauf 2.0 gewaltig: Es gibt keine Extrawurst. Ein Problem, dass vegetarische Kinder sicher kalt lässt, doch Kalli vermisst sie, die zusätzliche Scheibe Gesichtswurst.

(30) Der kleine Kalli – im world wide web

Es war schon da als Kalli geboren wurde. Er ist mit ihm aufgewachsen wie mit Autos, Strom und Licht. Das world wide web umgibt den kleinen Kalli in allen Lebenslagen. Wo Kallis Eltern früher den Wecker neben dem Bett stehen hatten, liegt heute das Smartphone und übernimmt nicht nur das Wecken sondern zeichnet Kallis Schlafphasen auf – ein nützliches Gimmick, so nennt der kleine Kalli unnütze Dinge. Dabei gab es auch lange vor der Entdeckung des Internets lustige Gimmicks. Zumeist aus Plastik hergestellt, bereicherten diese Dreingaben Yps-Hefte und Kornflakepackungen. Aber vorbei sind die Zeiten als AOL uns mit CDs überhäufte. Unter dem Wandel des digitalen Neulands leidet, so vermuten es zumindest Kallis Eltern, insbesondere Kallis Sprache. So sollen Programme (neudeutsch Apps) wie WhatsApp – trotz Autokorrektur des Smartphones – die Rechtschreibung blockieren. Und nicht zuletzt der Einfluss der sozialen Netzwerke wirkt sich auf Kallis Sprechweise aus. So läuft der Erzählkreis in Kallis Kindergarten schon nach dem Muster „mein Wochenende verlief eigentlich ruhig, doch was dann geschah, war unglaublich…“ ab. Als der kleine Kalli allerdings anfing und „Ekelbilder“ vom Mittagessen auf Instagram zu verbreiten, ziehen Kallis Eltern, die noch zu der Generation der „www“-Eingeber in der Browserzeile gehören, die Notbremse und kündigen ganz analog den Internetzugang.

(29) Der kleine Kalli – und der Kaffee-to-go

Während seines Praktikums im Hotel hat der kleine Kalli den gesamten Tiergarten Gottes kennengelernt. Von rüstigen Rentnern mit Ruhewunsch, wobei ebendiese zur Erfüllung selbigen lediglich das Hörgerät abschalten müssen, über Familien mit Animationswunsch, wobei diese Aufgabe im restlichen Jahr vom TV-Gerät übernommen wird, bis hin zu Welness-Fitness-Junkies, die auch im All-Inclusive-Urlaub nicht auf das Fitnessstudio verzichten können. Über die Sonderwünsche der Hotelgäste hat sich Kalli bereits am zweiten Tag nicht mehr gewundert. Während der eine Gast, weil er nicht einschlafen kann, nach der fehlenden Bibel auf dem Zimmer fragt, jagt der nächste damit Mücken. Das Vorhalten von Mon Chéri in den Sommermonaten zählt aber zu den weniger spektakulären Angeboten. Der kleine Kalli darf während seines Praktikums nicht nur erfahren, wie Menschen Hotelzimmer hinterlassen, sondern sich die Essgewohnheiten der Gäste studieren. Dabei fällt dem kleinen Kalli sehr schnell auf, dass die früheren Aufenthalte in Jugendherbergen die Hotelgäste wohl sehr geprägt haben. Immer wieder beobachtete Kalli, wie sich Gäste am Frühstücksbuffet Lunchpakete zusammenstellen. Da sowohl der Marketing- als auch der Küchenchef auf Kallis Vorschlag, Lunchpakete anzubieten, nur kopfschüttelnd reagierten, beschloss der kleine Kalli sich der Sache selbst anzunehmen. An seinem letzten Arbeitstag sah er einer rüstigen Rentnerin beim Verstauen unzähliger Fressalien vom Frühstücksbuffet in ihrer Handtasche zu. Als die Dame den Frühstücksraum verlassen wollte, wies sie der kleine Kalli, der schon mit einer Kaffeekanne am Ausgang auf sie wartete, darauf hin, dass sie ihren Kaffee-to-go vergessen hatte und schüttete den Kaffee in die Handtasche zu den anderen Leckereien.

(28) Der kleine Kalli – kommt in die Schule

Alles ist in den großen Sponge-Bob-Schulranzen gepackt. Stolze 13 Kilo bringt dieser inklusive Pausenbrot, Weltatlas, Wassermalkasten und Smartphoneladekabel auf die Waage. Zum Glück schafft die Schultüte, die in Zeiten der geforderten Cannabislegalisierung nur noch als Einschulungstrichter bezeichnet wird, das nötige Gegengewicht. Kallis neue Lehrerin, Frau Bader – eine nette, sympathische Frau – offenbart ihm, dass er in den nächsten Jahren mit Schuhkartons, undichten SIGG-Flaschen, Kastanienmännchen, Klopapierpapprollen, der Blockflöte und nicht zuletzt mit Eckenrechnen zu kämpfen haben wird. Svenja, Kallis neue Sitznachbarin, ist doof. Das stimmt zwar nicht, muss Kalli aber nach außen hin kommunizieren, damit er bei den anderen Jungs nicht selbst als doof dasteht. Schon in der ersten Stunde, die, da es sich wohl nicht um Mathematikunterricht handelt, nur 45 Minuten dauert, lernt der kleine Kalli den Leisefuchs kennen. Im Gegensatz zu seinen Mitschülern, ein ruhiger Zeitgenosse. Nachmittags auf dem Nachhauseweg von der Schule fragt die Nachbarin den kleinen ABC-Schützen: „Na Kalli, wie war’s denn in der Schule?“ „Schön“, antwortet der kleine Kalli, „aber morgen muss ich nochmal hin!“

(27) Der kleine Kalli – im Museum

Museen; Orte, an denen man gegen viel Geld alte, verstaubte Gegenstände aus längst vergangenen Tagen bestaunen kann. Mit „must see“ hat das Ganze meistens nichts zu tun. Doch die Museumskultur durchläuft einen Wandel. Wo früher alte, verstaubte Exponate standen, hängen heute Flachbildschirme, die Bilder von alten, verstaubten Exponaten zeigen. Und weil sich auch der kleine Kalli der kulturellen Welt öffnen möchte, besucht er diese Orte der Zeitgeistkonservation. Neben Technikmuseum und Harry-Potter-Wanderaustellung ist der kleine Kalli besonders an Sinnesmuseen interessiert. So erkundete er kürzlich das Schokoladenmuseum in Köln und empfand erstmals in seinem Leben einen Museumsshop als beachtenswert. Überhaupt, die Idee für eine Werksführung Geld zu verlangen und alte Schoki-Verpackungen auszustellen, das imponierte Kalli schon sehr. Gut genährt von dem überdimensional großen Schokobrunnen kam Kalli die Idee, ein Chaosmuseum in seinem Zimmer einzurichten. Mit Sonderausstellungen wie z. B. „Staub“ oder „Klamottenberge“ könnte er gegen eine geringe Gebühr die Weltöffentlichkeit begeistern. Natürlich würde er auch Führungen anbieten. Allerdings müssten neben Hunden auch die Erziehungsberechtigen draußen bleiben. Sorry.

(26) Der kleine Kalli – backt kleine Brötchen

Es ist die hohe Kunst des Einkaufens. Ein Besuch in der Backstube um die Ecke ist eine echte Herausforderung. Wobei man inzwischen schon deutlich differenzieren muss zwischen Backstube im herkömmlichen, traditionellen Sinne, Backstube im Kassenbereich des Supermarktes, Systembäckerei mit Backshops und Zangenwühlbacktheken im Supermarkt selbst. Als der kleine Kalli noch klein war, da durfte er Samstags die Brötchen vom Bäcker holen. Samstags deshalb, weil sonntags auch Bäcker ausschlafen durften und der Pfarrer es ungern sah, wenn man das Butterhörnchen auf der Kirchenbank trapierte. Nun damals also, in jener Zeit, in der Bäckerläden noch nach „Bäcker“ hießen und Aufbackwaren nur an unbeliebte Kunden als frisch verkauft wurden, damals ging der kleine Kalli hinein, gab seine immergleiche Bestellung auf, bekam von der netten Dame hinter der Theke ein Stückchen Bienenstich geschenkt und einen schlauen Spruch vom Bäckermeister selbst mit auf den Weg. Dann nahm Kalli die vier prallen Tüten mit Brötchen und Gebäck, legte 20 Pfennig in die Münzschale und bekam – wie immer – seine 5 Pfennig Wechselgeld. So einfach und familiär wie damals ist das Geschäft um die Brötchen heute nicht mehr. Der kleine Kalli muss sich im Vorfeld genaustens überlegen, wie viele Brötchen er kaufen möchte. Wird er sodann von der Bedienung gefragt, muss er stets ein bis zwei Brötchen weniger angeben, denn ein oder zwei Brötchen mehr sind immer im Angebot. Kurz nach der Einführung dieser Verkaufsstrategie ist der kleine Kalli fast verzweifelt. Doch heute beherrscht er die Tricks der Bäckerrechnung. Und wenn der kleine Kalli doch mal keine Lust zum Rechnen hat, dann fragt er einfach: „Wieviele Brötchen sind denn heute im Angebot?“

(25) Der kleine Kalli – und die Frauen

Grundsätzlich ging der kleine Kalli davon aus, dass es in seinem Leben nur eine einzige Frau geben könnte. Doch dass bald schon noch weitere Personen weiblichen Geschlechts neben seine Mutter treten würden, das hätte der kleine Kalli nicht gedacht. Sabine, Christina, Julia und Svenja waren als große Sandkastenlieben erst der Beginn. Es folgten Karen, Elisabeth und Theresa. Die Liste könnte Kalli noch endlos fortführen, doch bei all den vielen Namen kann die richtige Reihenfolge nicht gewahrt bleiben. Und ob nach Anna die große Liebe Nadja oder Veronika folgte, das macht nun auch keinen Unterschied. Der kleine Kalli hatte an so viele Damen sein Herz verloren, dass es schon einer gut geschulten Spürhundestaffel bedarft hätte, es wieder zu finden. Obwohl die Frauen so unzählig waren, dass er bereits in der Grundschule mehr Angebetete hatte als es der ihm bekannte Zahlenraum (10) zulies, ist es doch verwunderlich, dass er niemals eine feste Freundin hatte. Vielleicht lag es an seiner zurückgezogenen und introvertierten Art, vielleicht war es seine Mutter, die Kalli als Jugendlicher bis in die Disko folgte. Auch wenn es sich im Nachhinein nicht mehr feststellen lässt, weshalb es mit den Frauen und Kalli nie so richtig funktioniert hat, so könnte Kalli am Ende doch noch die große Liebe finden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist jedenfalls gemacht, denn seine Mutter hat ihn neulich bei Elite-Partner.de angemeldet. Es lebe die Liebe!

(24) Der kleine Kalli – und der Messebesuch

Sonntag, das hatte sich der kleine Kalli fest vorgenommen, Sonntag geht es zur Messe. Was für die Damenwelt das Werbeprospekt „Glamour“ ist, das ist für die Herren der Schöpfung ein Messebesuch. Bezahlen für Werbung. Ein perfides Machwerk der Marketingwelt. Doch der kleine Kalli liebt die Billigwerbegeschenke, die bunten Taschen und nicht zuletzt die Kataloge ohne Preisauszeichnung, die allesamt auf Messen nicht fehlen dürfen. So fährt Kalli erwartungsvoll auf die Messe „Bauen und Wohnen“, die ja zu einer der größten in ganz XY zählt und neben namhaften Herstellern auch kleinere innovative Startups bietet. Bei solch tollen Angeboten ist der Eintrittspreis von 15 € pro Nase schnell vergessen. Kaum ist das Startgeld entrichtet, geht es rein in das Getümmel. Weil Platz auf Messen Mangelware ist, helfen sich die Aussteller mit allerhand Ideen in Sachen Standbau. Ähnlich wie bei Wolkenkratzern gilt es in die Höhe zu bauen und auf diese Weise die Werbefläche zu vergrößern. Kalli ist besonders an Kugelschreibern und Gummibärchen interessiert, die gibt es aber nur nach halbstündigen Beratungsgesprächen und auch nur gegen Aufforderung. Ansonsten kann sich der kleine Kalli vor Kontaktkarten, Flyern und Hochglanzbroschüren nicht mehr retten. Nach zwei Stunden tuen ihm die Füße weh und der Magen signalisiert, dass es nunmehr an der Zeit ist, sich an die vollkommen überteuerten Versorgungsstände zu begeben. Bei der Gelegenheit wird der Lageplan betrachtet und erstmals überlegt, was man denn gerne sehen möchte. Der kleine Kalli entscheidet sich für Halle 8. Die darf nicht fehlen. Nach gefühlten 100 km Wegstrecke erreicht Kalli sein Ziel. Halle 8. Den Aussteller den er sucht, findet er leider nicht und so begibt sich Kalli genervt und müde in Richtung Ausgang. Auf dem Weg nach Hause schaut sich Kalli den Messe-Plan an, um festzustellen, welche Stände er viel lieber gesehen hätte. Und so nimmt Kalli neben 12 kg Anfeuerhilfen auch die Erkenntnis mit, dass es nächsten Sonntag besser wieder in die katholische Messe geht.

(23) Der kleine Kalli – Ruhe in Frieden

Wer Kalli kennt, der weiß, dass er großen Wert auf eine gute Nachbarschaft legt. Doch seit in der Wohnung über ihm die Studentin Johanna eingezogen ist, ist es mit der Nachtruhe vorbei. Johanna scheint so ganz eigene Gewohnheiten zu pflegen, die denen Kallis vollkommen entgegenstehen. Um ca. 23 Uhr beginnt die Waschmaschine ihren Dienst aufzunehmen, um 1 Uhr morgens wird Staub gesaugt und um 4 Uhr in der Früh hält sich die Dame mit Sprungseilübungen fit. An Schlaf ist für Kalli seit Wochen nicht zu denken. Doch was tun? Der kleine Kalli ist einfach nicht der Typ dafür, an die Tür zu klopfen und auf den Putz zu hauen. Seit ein paar Tagen verfolgt er deshalb einen Plan: Er kopiert die Verhaltensweise von Johanna. Hört sie laut Musik, so dreht auch Kalli voll auf. Hüpft Sie, so hüpft auch er. Und es dauerte keine drei Tage, da stand Frau Müller, die die Wohnung unter Kalli bewohnt, nachts um 3 Uhr vor seiner Wohnung. „Mensch Kalli,“ giftete die rüstige Rentnerin ihn an, „wollen Sie das Haus abreißen? Das ist ja ein Krach!“ „Da haben Sie Recht, Frau Müller,“ entgegnete der kleine Kalli „ich kann seit Tagen kein Auge mehr zumachen. Aber das man die Dame über mir selbst bei Ihnen hört, das ist schon erstaunlich.“ „Über Ihnen?“ „Ja. Diese neu eingezogene Studentin, die scheint nachts zu leben.“ Frau Müller entschuldigte sich bei Kalli und stampfte schnaufend die Treppenstufen hoch zu Johanna. Die räumte zugleich ein, dass die beschriebenen Geräusche aus ihrer Wohnung kommen müssen und gelobte Besserung. „Es gibt doch nicht’s über einer guten Nachbarschaft“ dachte sich Kalli, „man darf sich nur nicht unbeliebt machen.“