(43) Der kleine Kalli – im Kino

(43) Der kleine Kalli – im Kino

Sicherlich hätte der kleine Kalli mit der Hypothek auf sein Eigenheim auch allerhand andere schöne Dinge machen können. Aber Kalli war schon lange nicht mehr im Kino und wollte sich den neuen Minionsfilm unbedingt anschauen. Und so war er auch bereit sämtliche monetären Entbehrungen auf sich zu nehmen, um sich dieses knapp zweistündige Erlebnis gönnen zu können. Da der kleine Kalli keine Lust auf lange Schlangen an der Kinokasse hatte, investierte er gerne die 5 Euro Vorverkaufsgebühren und 8 Euro Buchungsgebühren. Immerhin spart der Kinobetreiber mit seiner Online-Buchung ja auch billiges Kassenpersonal ein. Insofern hat der kleine Preisaufschlag durchaus seine Berechtigung. Da Kalli ungern einen steifen Nacken bekommen wollte, war natürlich der Logenzuschlag fällig, der ab Reihe 2 zu entrichten ist. Dafür bekommt man dann aber allerhand geboten. Ein besonderes Highlight sind die Sturzsicheren Teppichböden im Kino, die – getränkt von Cola und Co – derart klebrig sind, dass bereits das Erreichen des Kinosessels ein Erlebnis ist. Apropos Kinosessel. Dieses Wunder moderner Ausstattungsideen verfügt über alles, was sich der Kunde so wünscht: Verstellbare Rückenlehnen, einen ausreichend großen Becherhalter, ein Staufach für Jacken und Handtaschen, einen kleinen Tisch für Snacks und eine angenehme Massagefunktion sucht man jedoch vergebens. Bevor man in den Genuss des außergewöhnlichen Sitzkomforts kommt, warten Popcorn und Kaltgetränke im Foyer, deren Preise locker mit den teuersten Sternerestaurants des Landes mithalten können. Wer es – aus welchen Gründen auch immer – nicht schafft, sich vor dem Betreten des Kinosaals mit allerlei ungesunden Sachen einzudecken, der hat beim Eismann die Möglichkeit den Start der Vorstellung unnötig in die Länge zu ziehen. Aber dann geht der Film nach nur 30 Minuten Werbung endlich los. 3D-Brille für 2 Euro aufgesetzt und das ungetrübte Filmerlebnis hemmungslos genießen. Von hinten treten ganz sanft die nackten Stinkefüße der Hinterfrau gegen den Sitz und imitieren die fehlende Massagefunktion. Der Sitznachbar schmatzt in Dolby-Digital und der Vordermann liefert durch geschicktes Googlen auf dem Smartphone wertvolle Hintergrundinfos zum Film. So schön kann Kino sein, realisiert der kleine Kalli als er den Kinosaal verlässt, der am Ende der Vorstellung sogar ein kleines bisschen sauberer wirkt als zu Beginn. Sollte er irgendwann im Lotto gewinnen, kommt er gerne wieder.

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